Donnerstag, 17. Januar 2013

REZENSION: Die Angst der Kaninchen


Autorin: Ursula Wartmann
Verlag: Querverlag
Seiten: 224



Kurzinhalt:

Die sehr viel ältere Hanne verliebt sich in die 18-jährige Jenny. Erschwert werden diese ohnehin scheinbar unmöglichen Gefühle durch ihren gewaltbereiten Neffen Thorsten, der seit einigen Wochen bei ihr wohnt und alles hasst, was irgendwie von der "Norm" abweicht.

Meine Meinung:
Dies ist nach "Rückkehr der Träume" bereits das zweite Buch von Ursula Wartmann, das ich gelesen habe und ich bin immer wieder beeindruckt von der Fähigkeit der Autorin, Menschen in all ihren Facetten und Widersprüchlichkeiten so zu beschreiben, dass diese mehr als real wirken.

Insofern wird die sich aufbauende Bedrohung durch Thorsten für die Leserin mehr als spürbar, zumal er in seinem Schwarz-Weiß-Denken zum Teil unberechenbar wirkt. Bereits als Kind hatte er Freude am Quälen von Tieren gefunden (die titelgebende "Angst der Kaninchen"), als junger Erwachsener scheint er nun keine Grenzen mehr zu kennen.
Hilflos muss man zusehen, wie er den kleinen Bruder von Jenny für seine Zwecke rekrutiert, der ehrfurchtsvoll zu dem Älteren aufsieht.

Auf der anderen Seite gibt es Jenny, die durch ihre Nachdenklichkeit so viel reifer wirkt, als ihr biologisches Alter vermuten mag. Etwas, was Hanne trotz des Altersunterschiedes anzuziehen scheint und so sitzen beide fast täglich bei Hanne zusammen und reden – während der "Feind" gleich im Zimmer nebenan wohnt.
Hier prallen nicht nur räumlich Welten aufeinander, die wiederum auf seltsame Art miteinander verknüpft sind.

Diese Verknüpfung (Jenny ist die Schwester des Freundes von Thorsten; der ist der Neffe von Hanne; Hanne wiederum ist an Jenny interessiert), wirkt manchmal etwas aufgesetzt, wird dadurch aber zu einem eigenen Mikrokosmos, der die scheinbare Ausweglosigkeit der Figuren zusätzlich manifestiert.

Die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen den beiden Frauen rückt meiner Meinung nach durch den sehr dominanten Thorsten in dieser Geschichte leider etwas in den Hintergrund, hat aber angesichts der differenzierten Sichtweise der Autorin auf die Entwicklung dieses Menschen durchaus seine Berechtigung.

Fazit:
Ursula Wartmann webt hier ein schwieriges Thema (Umgang mit Homosexualität und Rechtsradikalismus) in die eindringliche Momentaufnahme eines Sommers. Mutig!



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