Sonntag, 3. Februar 2013

REZENSION: Frevlerhand


Autor:          Ines Thorn
Seiten:           335
Verlag:           rororo





Kurzinhalt:
Dass die Erde in „Frevlerhand“ ist, weiß man schon seit dem ersten Buch um die „Verbrechen von Frankfurt“.
Im vierten Teil der Reihe, der nun auch diesen Titel hat,  ist es jedoch nicht Pater Nau, der dies immer wieder predigt, sondern ein Wanderprediger von außen, der nicht nur durch seine rhetorischen Fähigkeiten vor allem Frauenherzen höher schlagen lässt.
Gleichzeitig geschehen wieder Morde in der Stadt: tote Mädchen liegen in Gräbern, die nicht für sie ausgehoben worden sind.

Meine Meinung:
Es dauert eine ganze Weile, bis das Buch wirklich an Fahrt aufnimmt. Anfangs liegt der Blick vor allem auf Gustelies, die sich mitten in der Midlifecrisis (weiblich: Wechseljahre) befindet und Zuhause in Kochstreik tritt. Nicht nur für ihren Bruder Pater Nau ein großes Unglück.

Dieser ist ohnehin in diesem Band von mehreren Seiten gebeutelt, soll Frankfurt doch lutherisch werden – auch wenn niemand so recht weiß, was das eigentlich bedeuten mag. So ergeht sich das Buch in endlose Dispute über „den rechten Glauben“, die durch den Wanderprediger noch zusätzlichen Zündstoff bekommen.

Leider liest sich das sehr zäh, selbst für den historisch Interessierten. Hier zeigt sich mal wieder die Schwierigkeit, in einem historischen Krimi die Waage zwischen historischem Hintergrund und kriminalistischer Spannung zu halten.

Entsprechend lange dauert es (fast die Hälfte des Buches), bis sich die Familie mal wieder um einen richtigen Mord kümmern kann.

Und selbst dann mag sich eigentlich niemand so recht damit beschäftigen. Während Gustelies ihrer Jugend nachtrauert und lieber in den Fenstern der Nachbarn spannt, ist ihre Tochter Hella vollauf mit ihren Kindern beschäftigt und ihr Mann, der Richter, stolpert ohne den Einsatz der beiden Frauen entsprechend planlos durch das Buch.

Der Leser weiß nicht so recht, wer hier unmotivierter ist: die Autorin, der für ihren 4. Band offenbar nichts mehr eingefallen ist oder ihre Figuren, die diesmal ziemlich farb- und leblos wirken.

Tatsächlich fällt die Lösung der Morde nachher wenig überzeugend regelrecht vom Himmel - nur wenige Seiten, bevor das Buch ohnehin zu Ende ist.

Dabei ist die Frage nach den Wechseljahren einer Frau im Mittelalter und ihrer damit einhergehenden veränderten Rolle im gesellschaftlichen Kontext durchaus interessant, bloß leider in diesem Buch überhaupt nicht zu Ende geführt.

Schade.

Fazit:
Die Verbrechen von Frankfurt sollten zukünftig von jemand anderem gelöst werden. Bei Gustelies und Co. ist die Luft raus.


Alle vier Teile der Reihe um die "Verbrechen von Frankfurt" findet Ihr hier:

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