Montag, 10. März 2014

REZENSION: Rattentanz (Hörbuch)

Titel: Rattentanz
Autor: Michael Tietz
Länge: 6 CDs, 409 Minuten (gekürzte Fassung)
Sprecher: Achim Buch

Hörprobe


Kurzbeschreibung:

Ein Computervirus legt auf der gesamten Erde das Stromnetz lahm. Flugzeuge stürzen vom Himmel, die Wasserversorgung bricht zusammen. Irgendwann geht auch das Benzin aus.
Das Leben, wie es bisher stattgefunden hat, exisitiert nicht mehr. Und damit fallen auch alle Regeln und Gesetze. Der Überlebenskampf jedes Einzelnen beginnt.

Meine Meinung:

Ich bin hin- und hergerissen bei diesem Hörbuch. Die Idee ist keine Frage unglaublich interessant und enthält viel Potential. Ich persönlich bin ein großer Fan von Endzeitszenarien, die Frage des "WAS WÄRE  WENN...." fasziniert mich.


Aber bei der Umsetzung des Plots habe ich so manches Mal gezweifelt, ob dies wirklich so ablaufen würde. Dagegen widersprach eine andere Stimme in mir, wer von uns das letztlich sagen kann, wie Menschen in Ausnahmesituationen tatsächlich reagieren würden....
Und die Vergangenheit lehrt uns, dass von Menschen bereits aus ganz anderen Gründen viele Grausamkeiten begangen worden sind.

Wie dem auch sei: Man stelle sich vor, ein Stromausfall auf der gesamten Erde - und innerhalb weniger Stunden werden Menschen ermordet, Geschäfte geplündert, herrscht kein Gesetz mehr.
Ohne Frage ist dieses Szenario nicht unwahrscheinlich... aber nach so kurzer Zeit? Wartet man bei Stromausfall nicht erstmal ob, ob der Strom irgendwann wiederkommt? Oder wissen die Protagonisten schon mehr, weil der Autor es tut?

Natürlich geht es irgendwann um das blanke Überleben:
"Menschliche Ratten krochen aus ihren Verstecken."

Aber gibt es wirklich nur noch das blanke Gegeneinander - kein Miteinander? Greifen ab einen bestimmten Punkt wirklich nur noch Darwins Gesetze, wonach der Stärkere überlebt?

In der kleinen Gemeinde Wellendingen im Südschwarzwald, in der die Geschichte hauptsächlich spielt, wird zumindest sowas wie ein Rat gewählt, um die Ordnung aufrecht zu erhalten.
Aber als wäre dem Autor dies zu langweilig gewesen, gibt es hier nun auch noch (neben den ohnehin schon durchgeknallten "Normalsterblichen") Psychopathen und Schizophrene, die ihre ganz eigene Nummer verfolgen. Und damit sehr stark in den Mittelpunkt des Geschehens rücken, so dass die eigentlich Tragödie irgedwann meiner Meinung nach zu kurz kam.

So habe ich mich immer wieder gefragt: Wovon ernähren sich die Leute auf Dauer? Wie lebt es sich im Alltag ohne Strom? Was ändern sie alles und was ist ihr Tagesablauf? Diese Fragen werden irgendwie nur noch gestreift. Hier wäre es wirklich besser gewesen, beim Hauptthema zu bleiben.

Auch andere Ungereimtheiten ziehen sich durch das Buch.
Nur als Beispiel:Wer schon einmal auf der Ostsee segeln war, fragt sich, wie 2 Männer es mit einem Floß von Schweden nach Deutschland schaffen? Ohne jegliche Geräte? Aber das nur am Rande.

Dennoch ist "Rattentanz" spannend und abwechslungsreich geschrieben (so findet etwa immer wieder ein Sprung zwischen verschiedenen Orten statt, so dass man stets wissen möchte, wie es hier oder da weitergeht) und der Sprecher schafft es, einen in das Hörbuch hineinzuziehen.



Fazit:

Toller Plot, leider mit zu vielen offenen Fragen.




Kommentare:

  1. Schade, dass die Idee nicht stimmig umgesetzt wurde. Wie schnell es zum Beispiel zu Plünderungen kommt, würde meiner Meinung nach von der jeweiligen Umgebung abhängen. Je ärmer Menschen sind und je härter ihre Lebensbedingungen, desto schneller kommt es zu Plünderungen, würde ich sagen. Ein bisschen hat man davon ja bei den diversen Naturkatastrophen in den letzten Monaten mitbekommen können ...

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  2. @ Winterkatze

    Der Hauptteil der Handlung spielt ja im "reichen" Deutschland. Und zudem oft in ländlichen Gegenden, wo man es eher gewohnt ist, sich aus der Natur zu versorgen.

    Aber wenn man das so liest, zweifel frau schon am "Menschsein"...

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  3. Lies mal - z.B. bei skoobe ;) - in "Blackout" von Herrn Elsberg hinein, der sich auch mit dem Thema Stromausfall beschäftigt und hier von wechselnden Perspektiven einzelner Personen das Thema beleuchtet: z.B. aus Sicht eines Hackers, dem etwas auffällt, aus Sicht eines EU-Ermittlers, aus Sicht einer Krisenstabmitarbeiterin. Auch bei "Black out" kommt natürlich nicht alles zur Sprache (und "Rattentanz" scheint auch eine andere "Ebene" zu bedienen), aber es ist vielleicht einen Blick wert.

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