Dienstag, 1. Juli 2014

REZENSION: Betongold



Seiten:       nur digital erschienen
Verlag:       Gmeiner


Kurzinhalt:
Der Statiker Dr. Weishaupt liegt erstochen in seinem Haus in Frankfurt.
Hängt sein Tod mit seiner Arbeit am noch nicht fertig gestellten Berliner Flughafen „Willy Brandt“ zusammen?
Und wie kommen die Fingerabdrücke eines seit 20 Jahren verschwundenen Jungen in sein Haus?
Kommissar Kunkel ermittelt und bekommt Hilfe von Juliane Freund, die den Vermissten-Fall Patrick Langer untersucht hatte.


Meine Meinung:
Es gehört wohl zu den Lächerlichkeiten des seit Jahren vor sich hin tröpfelnden neuen Berliner Flughafens, dass nun sogar die Krimiautoren genug Zeit haben, um die Verzögerungen im Bau mit in ihren Roman einfließen zu lassen.

Der „Spaß“ von Tom Westerhoff an den äußeren Umständen der Flughafen-Bauarbeiten lässt sich auch auf seiner Facebook-Seite verfolgen.

Schade, dass sich sein Buch „Betongold“ dennoch nicht komplett traut, das Gesamtgeschehen nach Berlin zu verlagern, sondern einen großen Teil in Frankfurt spielen lässt.

Dennoch bringt die Ortkenntnis des Autors beider Städte bereits eine angenehme Authentizität in den Roman.

Dazu gehört sicher auch der Umstand, dass Kommissar Kunkel wie der selige Brunetti von Donna Leon gutem Essen nicht abgeneigt ist und dies entsprechend lebt. Dafür muss man offenbar nicht in Venedig leben. Auch wenn Kunkels Nudeln gelegentlich anbrennen.

Aber dies macht ihn umso sympathischer, wie auch der Umstand, dass er als allein erziehende Vater als wahrhaft moderner Kommissar erscheint, was durch die eine oder andere abgedruckte SMS seines pubertierenden Sohnes im Buch noch unterstrichen wird.

Die Handlung liest sich flüssig und evoziert Bilder wie in einem Tatort, einzig einige wirtschaftliche Zusammenhänge waren für die Rezensentin irgendwann nicht mehr ganz nachzuvollziehen, wurden glücklicherweise aber nur am Rande behandelt.

Die schnell aufkommenden romantischen Gefühle der beiden ermittelnden Kommissare füreinander erscheinen zudem etwas übertrieben und man wünscht beiden noch etwas Zeit (sprich: weitere gemeinsame Fälle), um sich besser kennen zu lernen.
Es muss nicht alles in ein Buch gepackt werden.

Dazu zählt meiner Ansicht nach auch die erst nach drei Vierteln des Buches (!) zum ersten Mal auftauchende „Stimme“ einer zusätzlichen Person, die kursiv gedruckt offenbar kurz vor Schluss noch zusätzliche Spannung hineinbringen soll.
Oder den geneigten Leser unterstützen soll, falls dieser bis dahin nicht weiß, in welche Richtung der (kriminelle) Hase hoppelt.

Die hätte es an dieser Stelle nicht mehr gebraucht.
Warum nicht gleich am Anfang? Warum erst jetzt?

Doch der Fall soll scheinbar schnell gelöst werden. Tatsächliche sind die Kapitel in die einzelnen Wochentage bis zur Auflösung des Falls unterteilt und so braucht es derer auch nur wenig, bis Kunkel auf des Rätsels Lösung kommt.

Auch ein Tatort ist nach 90 Minuten vorbei.


Fazit:
Man wünscht diesem Kommissar weitere, etwas komplexere Fälle und mehr Zeit, diese zu lösen, was in Anbetracht des Untertitels durchaus erfüllbar scheint: Dies war „Der erste Fall für Kunkel und Freund“.


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