Freitag, 28. November 2014

REZENSION: Die wilden Hühner (Hörbuch)

Titel:  Die Wilden Hühner
Autorin: Cornelia Funke
Länge: 3 CDs, 164 min.
Sprecherin: Cornelia Funke

   

Kurzinhalt:

Sprottes Großmutter fährt für einige Tage weg und hnterlässt ihrer Enkelin einen seltsamen Zettel. Von den üblichen Arbeitsanweisungen abgesehen, wird ein schwarzer Schlüssel mit dem Kommentar "Geht dich nichts an!" beigefügt. Das lädt natürlich geradezu zum Nachforschen ein und so haben die "Wilden Hühner" ihr erstes Abenteuer zu bestehen.

Meine Meinung:
Es ist sicherlich nicht fair, als Erwachsene ein Hörbuch für Kinder zu rezensieren, da ich definitiv nicht zur Zielgruppe gehöre.
Jedoch habe ich beruflich viel mit Kindern zu tun und lese nicht nur deswegen selbst sehr gern noch Bücher, die für laufende Meter geschrieben wurden, denn ich mag die oft noch recht einfache Welt, die hier gelegentlich aufgebaut wird.
Insofern erlaube ich mir dennoch, meinen Senf hier dazuzugeben.

Cornelia Funke gehört definitv für mich zu den besten deutschen Kinderbuchautorinnen. Bücher wie die Tintenherz-Trilogie oder die Gespensterjäger-Reihe sind mittlerweile Klassiker und stehen auch in meinem Regal.

Auch die "Wilden Hühner" sind mehrbändig angelegt, wobei ein Ende im Prinzip nicht abzusehen ist, da Bücher über das Erwachsenwerden viel Stoff bieten.

Im ersten Teil, der sich nur "Die wilden Hühner" nennt, beschließen die vier Freundinnen eine Bande (eben "Die wilden Hühner") zu gründen, wobei dies vor allem in Konkurrenz zu einer bereits bestehenden Jungenbande geschieht: den Pygmäen.

Tatsächlich ist dieser "Kampf" Jungs gegen Mädchen ein bestimmender Teil des Buches, wobei sich die rivalisierenden Banden immer wieder gegenseitig Streiche spielen.

Dies ist sicher etwas, was jeder noch aus seiner eigenen Schulzeit kennt: Bevor Jungs interessant werden, werden sie erstmal geschnitten und man trennt sich klar von ihnen ab.

Dabei sind auch die vier Mädchen allein schon sehr unterschiedlich und bieten sicherlich für jede Leserin eine gewisse Identifikationsfigur an: die "schöne" Melanie (wird wirklich so genannt), die eher spröde Sprotte (eigentlich Charlotte, ohne Vater, dafür mit einer taxifahrenden Mutter), die häusliche Frieda, die sich immer um ihren kleinen Bruder kümmern muss. Und im Schlepptau die etwas plumpe Trude (schon der Name!), welche die "schöne" Melanie regelreccht anbetet.

Auch solche Rollenverteilungen sind aus der eigenen Schulzeit bekannt und bieten genug Konfliktpotential und tatsächlich ist es auch innerhalb der Mädchengruppe nicht immer alles so harmonisch, wie man es vielleicht erwarten möchte.
Insofern fragt aber auch die Erwachsene in mir: Hätten sich Mädchen wie die "schöne Melanie" wirklich jemals mit jemandem wie Trude "abgegeben"?


Der schwarze Schlüssel rückt nachher etwas in den Hintergrund und so habe ich irgendwann nur noch mit halben Ohr zugehört, denn das Hin und Her zwischen Jungs und Mädchen war mir irgendwann too much. Aber wie gesagt, ich gehöre halt auch nicht mehr zur Zielgruppe.

Dabei liest die Autorin selbst wirklich herrlich unaufgeregt und mit einem eigenen Schmunzeln in der Stimme, was zusätzlichen Respekt verdient.

Fazit:

Hörbuch um eine nicht ganz realistische Mädchenclique, mit recht stereotypen Figuren, die in Wirklichkeit so sicher nicht zusammen gekommen wären.

Kommentare:

  1. Ich muss gestehen, dass ich nicht nur keine Hemmungen habe Kinder- und Jugendbücher zu rezensieren, sondern dass ich da auch ebenso hart vorgehe wie bei Geschichten für Erwachsenen. Ein gutes Kinderbuch kann mich als erwachsenen Leser nämlich ebenso mitreiße wie ein Kind, während ich Kinderbücher, die mich als Erwachsenen nicht ansprechen, als "mittelmäßig" empfinde. Sie können immer noch unterhaltsam sein und für die Zielgruppe funktionieren, aber in der Regel sind das Bücher, die man als Leser nicht "mitnehmen" kann, wenn man älter wird. Und das ist für mich auch ein Punkt an Kinderbüchern, die, die ich als Kind mochte und die ich auch heute noch mit Vergnügen lese, die haben für mich langfristig Bedeutung ... Ähm, jetzt bin ich wohl etwas abgeschweift. *g*

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  2. @ Winterkatze

    Ich glaube, Du hast relativ klar zwischen den Zeilen meine eigentliche Meinung gelesen und wie schwer ich mich mit dem Fazit getan habe. Aber Du hast, Recht, ich sollte hier keine Extra-Boni verteilen, sondern wirklich so bewerten, wie das Hörbuch tatsächlich bei mir angekommen ist. Also noch einen Stern Abzug.

    LG,
    JED

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  3. Ich bin bei Kinderbüchern auch relativ gnadenlos, wobei ich beim Lesen schon auch ein wenig die Zielgruppe im Kopf habe. Aber wenn ich da an so einige Romane von Astrid Lindgren denke - die müssen sich wirklich hinter keinem Erwachsenenbuch verstecken.

    "Die wilden Hühner" fand ich nett, allerdings nerven mich solche stereotypen Figuren auch etwas. Vor allem kenne ich selbst es aus Kindheit und Jugend eher so, dass man sich am besten mit den Mädchen versteht, mit denen man auch Gemeinsamkeiten hat. So ein Querschnitt an verschiedenen Typen bietet halt immer Identifikationsfiguren für alle Leserinnen, aber für eine Mädchenclique halte ich das eher für nicht so realistisch.

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  4. @ Winterkatze

    Nach über einem Monatohne Bloggen ist mir wohl etwas von meiner Bissigkeit verloren gegangen. Komisch, dass man (ich!) da aber gerade auch bei Kinderbüchern so Beißhemmungen habe. Oder liegt's an Cornelia Funke?

    @ Neyasha

    Genau das habe ich auch gedacht, nur irgendwie nicht recht formulieren können! Mädchen wie die "schöne Melanie" hätten sich nie mit jemanden wie Trude abgegeben. Danke Dir!

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