Dienstag, 16. Dezember 2014

REZENSION: Ich bin dann mal weg (Hörbuch)

Autor: Hape Kerkeling
Titel: Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg  
Länge: 6 CDs, 448 min.

Sprecher: Hape Kerkeling

Kurzinhalt:
 Der bekannte Entertainer und Komiker Hape Kerkeling begab sich 2001 nach einigen persönlichen Tiefschlägen über 600 km auf den Jakobsweg von Frankreich  nach Santiago de Compostela.
Von seinen Erlebnissen und Gedanken, die ihn während dieser Zeit beschäftigten, erzählt dieses (Hör)buch.


Meine Meinung:
Eines vorweg: Ich bin froh, dass ich gleich zum Hörbuch gegriffen habe, denn man muss sich die Erlebnisse von Hape selbst erzählen lassen, um wirklich zu verstehen, was ihn auf dem Jakobsweg bewegte.
Das Schmunzeln zu hören, das hinter manchen Geschichten steckt.
Der Ernst, mit dem ihn manche Gedanken umtrieben.
Und gleichzeitig zu hören, dass er immer noch Hape ist.

Denn ich war entsetzt, als ich im Nachhinein manch negative Rezensionen auf AMAZON las.

Von Arroganz war da die Rede, weil Hape sich in mehreren Sprachen verständigen kann und dies auch hier beschreibt. Davon, dass Hape kein echter Pilger sei, da er oft in Hotels statt in den "Auberges" übernachtet hat. Weil er gelegentlich das Auto nahm, wenn er nicht mehr konnte.

Hört man ihm auf seinem Weg zu, kann man keine dieser Behauptungen teilen.

Ja, der Mensch spricht sechs Sprachen und dafür hat er meine tiefe Bewunderung. Niemals lässt er das "arrogant" raushängen, sondern muss einfach bestimmte Begegnungen im Original wiedergeben, um den Humor zu teilen, der ihm zum Teil auf dem Weg begnet ist. Begegnungen mit den Einwohnern der spanischen Dörfer, einer englischen Pilgerin, die ihn sehr beeindruckt hat und mit der er einen langen Weg teilt und vielen anderen.

Die Tatsache, dass er in Hotels übernachtet hat, verschweigt er nicht und - mal ehrlich - letztlich würde sich wohl jeder diesem Komfort hingeben, der es sich leisten kann und die 30 bereits weit überschritten hat.

Ich würde es auf jeden Fall.
Ist man(n) deswegen kein Pilger? Woran erkennt man diesen denn?

Meiner Ansicht nach daran, dass er einen langen Weg gegangen ist und mit ihm einiges unterwegs passiert ist.

Hape beschreibt ohne Scham, wie er sich als Couch-potato die Berge hochquälte und auch immer wieder an den Punkt kam, an dem er aufhören wollte. Doch jeder Tag bringt ihm eine neue Erkentnis (entsprechend endet jedes Kapitel mit "Erkenntnis des Tages") und man merkt, wie langsam eine Veränderung bei ihm einsetzt. Erst phyisch, dann psychisch.

Während er erst allein sein will, lernt er zunehmend auch die Begenung mit anderen Pilgern zu schätzen (wobei auch hier wieder kritisert wurde, wie wählerisch und elitär er diesbezüglich sei - so ein Quatsch! Wir alle verbringen mit bestimmten Menschen lieber unsere Zeit als mit anderen. Und warum sollte man auf solch einem wichtigen Weg anderen etwas vormachen? Oder sich selbst? Macht man das nicht oft genug im Alltag?).

Als er dann wirklich ankam, war ich traurig, dass dies Reise schon zu Ende war. Hätte mir vielleicht noch ein abschließendes Fazit gewünscht. Wie sich seine Veränderungen im Alltag gestaltet haben. Aber letztlich muss das wohl jeder für sich selbst herausfinden.

Fazit:
Dies war das erste Hörbuch, dass ich sofort, nachdem ich es beendet habe, gleich wieder von vorn angefangen habe. Weil ich mit Hape weitergehen wollte. Immer weiter.

Mir hat diese "Reise", auf die mich Hape mitnahm, sehr geholfen in einer Zeit, in der ich selbst nicht mehr wusste, wie es weitergehen soll. Es hat mir gezeigt, dass es manchmal reicht, einfach weiterzugehen.
Und wer weiß, vielleicht gehe ich irgendwann auch DIESEN Weg (auch wenn das Buch jetzt verfilmt wird und wohl erstmal ein neuer Hyperund ums Pilgern ausbricht).





Kommentare:

  1. Das Hörbuch kenne ich zwar nicht, aber das Buch habe ich vor ein paar Jahren gelesen. Ich habe Hape Kerkeling auch sehr gern auf seinem Weg begleitet (obwohl ich ihn gar nicht kannte, mir hat vorher noch nicht mal sein Name etwas gesagt) und ich mochte auch seine sehr erfrischend ehrliche Art. Dass er öfter in Hotels übernachtet hat und zwischendurch doch auch mal mit dem Bus gefahren ist, hat mich daher auch gar nicht gestört.

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  2. @ Neyasha

    Freut mich, dass Du das auch so siehst. :o))

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  3. Ich hab das Hörbuch auch noch ungehört auf meinem SuH liegen, drum habe ich jetzt deine Rezi nur überflogen und das Fazit gelesen. Wenn ich es auch gehört habe, lese ich dann noch mal genauer nach - und bin gespannt, ob es uns vielleicht ähnlich erging beim Hören.

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  4. Ich kenne das Buch und habe später das Hörbuch gehört; HaPe Kerkelings eigene Lesung brachte mir seinen Weg neu und gut "in Erinnerung". Die von Dir angesprochenen Bewertungen kenne ich nicht, eigentlich sind sie auch egal. Jeder, der sich solch einem Weg mit dieser Länge - ob nun spirituell oder "nur" sportlich - stellt, hat meine Bewunderung. Es ist mir auch egal, ob er in Spanien oder in Deutschland oder sonst wo pilgert/wandert. Die Person kann von mir aus sogar früher aufhören, wenn sie für sich feststellt, sie hat ihr Ziel erreicht oder muss gesundheitlich bedingt abbrechen.

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