Mittwoch, 16. Dezember 2015

REZENSION: Peter Pan (Hörbuch)

Autor: James M. Barrie
Titel: Peter Pan. CD  
Länge: 1CD, 77min.
Sprecher: Karl Menrad

Kurzinhalt (Verlagstext):

Zauberhaft und spannend zugleich wird es, als eines Tages ein seltsamer kleiner Junge ins Kinderzimmer von Wendy, John und Michael schwebt.
 Peter Pan, der Junge, der niemals erwachsen wird, nimmt die drei Geschwister mit ins Nimmerland - das Land der Kinderspiele und der Fantasie, wo sie viele Abenteuer erleben.
So wird Wendy von dem berüchtigten Piraten-Kapitän Hook entführt.
 "Peter Pan" ist in der Reihe "Kinderklassiker als HörAbenteuer" erschienen. Unter dem Motto "Augen zu - Film ab" erzählen namhafte Sprecher die großen Geschichten der Kinderliteratur neu. Die klassischen Texte wurden behutsam gekürzt und liebevoll nacherzählt. Das gleichnamige Buch ist im Arena Verlag erschienen.

Meine Meinung: 

meckernde-smilies-0005.gif von smiliesuche.de So, jetzt ist der Punkt erreicht, an dem ich mich richtig, richtig über ein Hörbuch aufregen muss.
Über eine Geschichte, die eigentlich ein Klassiker ist, aber darauf kann ich jetzt keine Rücksicht nehmen.

Wer hat eigentlich die Diskussion verfolgt, ob man in Klassikern wie Pippi Langstrumpf oder Jim Knopf noch N.e.ger sagen darf? Was gab es da für einen Aufschrei?!

Was ist eigentlich mit all den sexistischen Geschichten, die es so gibt und in der Frauen abgewertet werden? Da guckt irgendwie keiner hin.
Und Peter Pan ist so ein Buch.

Es fängt schon an mit der kleinen Elfe Glöckchen. Die so klein ist, dass in sie nur ein Gefühl passt (so wird das ernsthaft beschrieben):
Also ist sie entweder lieb oder böse. Dazwischen gibt es nichts.

Gut. Könnte man noch die Fantasy-Karte ausspielen.

Aber ich war schon böse an verschiedene Frauenbilder erinnert, die es so gibt: Heilige oder Hure. Dazwischen gibt es auch nix. Frauen haben nach dieser Auffassung eben kleine Gehirne, da ist nicht soviel Platz.

Und was mit dem einzigen Mädchen in der Geschichte passiert, ist wirklich zum Haareausraufen und ich konnte mich ewig im Auto aufregen, während ich das Hörbuch hörte.

Nicht nur, dass sie von allen nur als "Mutter" gesehen wird (sowohl Peter Pan wie Kapitän Hook wollen sie für ihre Leute als "Mutter" - mit anderen Worten: billige Hausfrau).

meckernde-smilies-0007.gif von smiliesuche.de Nein, dann gibt es so Sätze wie:  
"Wendy fand, dass es die Jungen ganz schön wild trieben. Aber sie lächelte milde und schwieg dazu."

Dazu kann ich weder lächeln noch schweigen:
Während die Jungen also all die tollen Abenteuer erleben und kommt sie eigentlich überhaupt nicht mehr vor. Man fragt sich wirklich eine Ewigkeit, wo sie eigentlich abgeblieben ist. Erst, als sie das Frühstück machen darf, wird sie wieder erwähnt.

Sorry, aber die Feministin in mir bekommt bei so etwas Schreikrämpfe und ich kann nicht verstehen, dass man hier nicht einmal um eine milde Abänderung der Geschichte bittet.
Und dass es diese schon gab, das kann man ja u.a. an der Verfilmung mit Robin Williams sehen.

Ich habe extra oben mal die Verlagsbeschreibung übernommen.
Wenn man schon behauptet, die Texte "wurden behutsam gekürzt und liebevoll nacherzählt", dann bitte richtig.

meckernde-smilies-0003.gif von smiliesuche.de Wie seht Ihr das?

Fazit:

Sexistische Story, in der die Jungen Kinder bleiben dürfen, während nur die Mädchen erwachsen werden und wiederum Kinder bekommen (Dafür sind sie ja da).
ARGHHHH!!


Kommentare:

  1. Ich bin - außer in absoluten Ausnahmefällen - prinzipiell dagegen, Klassiker umzuschreiben, da sie immer auch ein Spiegel einer Epoche sind.
    Was speziell Peter Pan betrifft, kann ich nur sagen, dass ich das Buch als Kind und Jugendliche geliebt habe. Seither habe ich es nicht mehr gelesen, kann mich also nicht mehr an Details erinnern. Natürlich vermittelt es kein modernes Frauenbild, aber ich habe es nicht so extrem in Erinnerung, vor allem nicht, dass Wendy über weite Strecken gar nicht dabei ist. Und das Ende habe ich immer so empfunden, dass Wendy diejenige ist, die sich weiterentwickelt und erwachsen werden darf, während Peter Pan immer an einem Punkt verharrt.
    Ich bin mir aber auch nicht sicher, wieviel von einer Geschichte übrig bleibt, wenn sie "behutsam" auf ein Viertel heruntergekürzt wird.

    Ich weiß aber allgemein nicht mehr, wie sehr ich das Buch mittlerweile mit der (an sich recht werkgetreuen) Verfilmung von 2003 vermische, in denen die von dir angesprochenen Kritikpunkte entweder abgeschwächt oder gar nicht vorhanden sind.

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  2. @ Neyasha

    Stimmt, so kann man es auch sehen. Peter beharrt (*LOL* habe mich gerade verschrieben, zuerste stand da "Peter behaart" ha, ha).
    Trotzdem bin ich irgendwie nicht glücklich mit dem Buch, auch wenn Du natürlich Recht hast, dass es immer ein Spiegel der jeweiligen Epoche ist. Aber ich finde, das muss man dann auch irgendwie thematisieren.

    LG,
    JED

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    1. Ich stimme dir allerdings zu, dass man ein Buch, wenn man es schon so massiv kürzt und demnach ohnehin bereits ein ganz neues Werk daraus macht, auch in dieser Weise ein wenig anpassen könnte. Aber prinzipiell ziehe ich es vor, das Originalwerk einfach unverändert zu belassen.
      Und ich bin mir auch wirklich nicht sicher, ob die gekürzte Version nicht sogar in der Hinsicht "extremer" ist als das Original.

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