Samstag, 1. April 2017

REZENSION: Das Friedmann-Haus

Titel: Das Friedmann-Haus
Autor: Peter Martin
Seiten: 257
Verlag: beTHRILLED by Bastei Entertainment


Kurzinhalt:

Jan, ein junger, erfolgloser Berliner Blogger und Szenejournalist, zieht ins Friedmann-Haus ein. In diesem denkmalgeschützten, aber leicht verwitterten Schmuckstück in Schöneberg haben sich in den letzten Wochen drei Personen scheinbar in Luft aufgelöst: Der Hausmeister, dessen Tageszeitung man aufgeschlagen auf dem Tisch fand. Eine alte Dame, deren Tee noch auf dem Herd kochte. Und eine Studentin, die ihren angeschalteten Laptop zurückließ. Die Polizei konnte keinen Hinweis auf ein Verbrechen finden ...

Jan will dem Geheimnis des Friedmann-Hauses auf die Spur kommen und darüber in einem Blog berichten. Aber auch er hat Geheimnisse, und sein Interesse am Friedmann-Haus hat sehr persönliche Gründe. Als die Vermissten wieder auftauchen, nur um fast sofort wieder zu verschwinden, wird die ganze Sache immer unheimlicher - und gefährlicher!

Ein temporeicher, atmosphärischer Thriller, in dem es vielleicht nicht für alles eine natürliche Erklärung gibt ...


Meine Meinung:

Es war für mich relativ schnell klar, dass dies ist ein Buch ist, das ich nicht abends lesen darf - prompt konnte ich nicht schlafen.
Hier werden mal wieder Ur-Ängste des Menschen angesprochen, die sich auf die eigenen vier Wände, einen doch vermeintlich "sicheren Ort" beziehen, so dass man/frau/leser während der Lektüre in der eigenen Wohnung nicht mehr sicher fühlt.

Hinzu kam, dass die Geschichte auch noch in Berlin spielt und für mich dadurch noch authentischer wurde, da ich als Berlinerin sozusagen jeden beschriebenen Ort direkt vor Augen hatte.

Zwar ist das Friedmann-Haus nach meinen Recherchen eine Erfindung des Autors, genauso wie der dazugehörige Architekt, aber das macht die Story nicht weniger gruselig.

Sehr gelungen finde ich in diesem Zusammenhang auch das Cover.

Der Plot hat mich aber auch aufgrund seiner Kurzbeschreibung schon sehr angesprochen, da ich nicht nur Berlinerin, sondern selbst auch Bloggerin bin.
Die Vorstellung, in so einem Haus zu recherchieren, wo drei Menschen verschwunden sind, fand ich gewagt und mich hat sehr interessiert, was hinter all dem steckt.

Tatsächlich gibt es in dem Buch einmal eine beschreibende Ebene, in der man miterlebt, wie Jan versucht, mit den verschiedenen Mietern ins Gespräch zu kommen und das Geheimnis zu lüften.
Zum anderen gibt es seinen Blog, in dem er über seine Erfahrungen und Recherchen berichtet - wobei mir dieser Teil fast ein wenig zu kurz gekommen ist.

Hier wäre es noch toll gewesen, mehr über den Austausch mit den Lesern seines Blogs zu erfahren - man liest jedoch nur am Rande, dass es einige Diskussionen gibt. Tatsächlich ist der Blog aber eher Mittel zum Zweck - in Jans Fall: Geld verdienen.

Dafür sind die Mieter in dem Friedmann-Haus umso durchgeknallter, was mir zum Teil schon etwas zu dick aufgetragen war: Hinter jeder Tür wohnt da im Prinzip ein Bekloppter. Das war selbst für Berliner Verhältnisse etwas too much.

Hier hätte ich mir noch etwas mehr Realitätsnähe gewünscht, wie überhaupt hinter all den Figuren, die oft fast etwas sehr hektisch agieren.
Manchmal fehlte mir schon fast die Zeit, mich zu gruseln, weil Jan schon wieder zum nächsten Punkt unterwegs war. Das war schade, hier wurden doch einige Ideen verschenkt, beziehungsweise verpufften regelrecht mit dem nächsten atemlosen Satz.


Fazit:

Spannender Ausgangsplot mit ziemlichen Gruselpotential - leider in der Ausführung oft etwas zu hektisch (der Verlag nennt das im Klappentext "temporeich"). Ich häte mir mehr Innehalten gewünscht, um der Gänsehaut noch etwas nachzuspüren, die sich so nicht immer aufbauen konnte.






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