Sonntag, 21. Mai 2017

REZENSION: Mein Wille geschehe


Titel: Mein Wille geschehe
Autorin: Jennifer Benkau
Seiten: 400 Seiten

Verlag: Lübbe


Kurzinhalt:

Derya steckt nach der Scheidung von ihrem grausamen Mann in einer Krise. Immer mehr zieht sie sich in ihre eigene Welt zurück und lässt kaum jemanden an sich heran - bis eines Tages ihre Jugendliebe Jakob wieder vor ihr steht. Auch nach all den Jahren hat er nichts von seinem damaligen Charme eingebüßt, und zum ersten Mal seit langer Zeit ist Derya endlich wieder glücklich. Aber zeitgleich mit Jakobs Auftauchen beschleicht sie immer öfter eine unbestimmte Angst. Sie hat das Gefühl, beobachtet zu werden, und bald ist sie sich sicher, dass jemand sie verfolgt. Ist ihr Ex-Mann hinter ihr her? Doch dann offenbart Jakob Derya ein furchtbares Geheimnis, das sie daran zweifeln lässt, ob sie ihn wirklich kennt ...



Meine Meinung:

Der Kurzinhalt des Buches hatte mich sehr angesprochen. Jeder von uns kennt wohl Situationen, die einen so verletzen, dass man sich komplett zurückzieht. Wenn man dann noch das Gefühl hat, dass die Vergangenheit einen einholt, ist der Plot für einen Psychothriller da.

Leider erschien mir die Ausführung weniger gelungen: Denn tatsächlich erfährt man im Buch aber kaum, was genau in der Ehe von Deryia passiert ist.
Zwar wird immer wieder angedeutet, dass sie schrecklich war, aber darüber hinaus gibt es eigentlich kaum Informationen.

Das geht soweit, dass man einen Zettel von ihrem Exmann an Derya liest und sie sagt, dass er sie darin wieder bedroht und man sich als Leser fragt: Wo war denn da jetzt die Drohung? Hab ich die überlesen?

Was man anfangs noch als von der Autorin gewollt annehmen kann, zieht sich jedoch wie ein roter Faden durch das ganze Buch. Das hat mir große Schwierigkeiten gemacht, mich überhaupt mit der Figur der Derya "anzufreunden", geschweige denn mit ihr mitzuleiden. Zu verwirrend wirkt dafür auch oft ihr Denken und Tun, was sich dadurch nicht immer nachvollziehen lässt.

Lange schleppt sich die Handlung so dahin, ohne das wirklich Spannung aufkommt. Das macht es schwer, das Buch immer wieder in die Hand zu nehmen und weiterzulesen. Erst im letzten Drittel nimmt die Geschichte etwas Fahrt auf, wird aber immer verwirrender.

Eine Figur im Buch sagt, dass Bücher oft mehr beinhalten, als man anfangs glaubt. Bis zum Schluss habe ich gehofft, dass sich diese Weisheit irgendwie noch erfüllt.

Zwar liest sich der Schreibstil der Autorin gut und auch die Idee vom "Buch im Buch" ist interessant (sowohl Derya als auch Jakob sind Autoren und man darf nach und nach im Manuskript lesen), dennoch bleibt man seltsam enttäuscht zurück.

Zu plötzlich ist der Schluss dann da, auch wenn er unweigerlich zu einigem Nachdenken führt.


Fazit:

Ich hab selten ein Buch aus der Hand gelegt, von dem ich nicht wirklich sagen kann, ob ich es mag oder nicht. Hier möge sich jede(r) selbst ein Urteil bilden.

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