Sonntag, 15. Januar 2017

REZENSION: Geheimnis in Weiß

Titel: Geheimnis in Weiß
Autor: J. Jefferson Farjeon
Seiten: 282

Verlag: Klett-Cotta


Kurzinhalt: (Verlagstext)

An Heiligabend bleibt ein Zug im Schneetreiben in der Nähe des Dorfes Hemmersby stecken. Mehrere Passagiere suchen Zuflucht in einem verlassenen Landhaus. Die Tür ist offen, der Kamin brennt und der Tisch ist zum Tee gedeckt, doch niemand scheint da zu sein. Aufeinander angewiesen, versuchen die Reisenden das Geheimnis des leeren Hauses zu lüften – als ein Mord passiert.

»Geheimnis in Weiß« ist ein von der British Library wiederentdeckter Krimiklassiker, der hier erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt.


Meine Meinung:


Schon als ich die Kurzbeschreibung las, war ich an "Die Mausefalle" von Agatha Christie erinnert. In dem Stück geht es ebenfalls um mehrere Personen, die durch Schneefall in einem Haus eingeschlossen sind - unter ihnen ein Mörder.

Tatsächlich ist die von Farjeon verfasste Kriminalgeschichte jedoch älter als "Die Mausefalle" und stammt aus dem Jahr 1937.

Aber nicht nur deswegen wollte ich diese Geschichte unbedingt lesen, denn abgeschlossene Räume, in denen Dinge passieren, denen man im Prinzip nicht entkommen kann, haben in sich bereits eine unglaubliche Spannung. Das wirklich passende Cover tat sein Übriges, um mich dieses Buch in den letzten Tagen nicht mehr aus der Hand legen zu lassen.

Tatsächlich steht der Autor der "Queen of crime" in nichts nach. Schon nach den ersten Seiten, in denen Farjeon nur den unglaublichen Schneefall beschreibt, der sich an diesem Heiligabend niederlässt, war ich von seiner Sprache gefesselt.

Es gelingt ihm, bei dem Leser nicht nur derart plastische Bilder im Kopf zu erzeugen, dass man regelrecht an diesem kalten Wintertag mitfriert, sondern seinen Figuren auch noch soviel Leben einzuhauchen, dass man mit dem einen oder anderen sofort befreundet sein möchte.

Dies wird durch die unglaublich höfliche Art, in der man in dieser Zeit noch miteinander umging und die sich etwa auch in Christie-Romanen wiederfindet, noch potenziert.
Es macht einfach Spaß, den verschiedenen Personen "zuzuhören".

Diese 6 Haupt-Figuren, die im Zugabteil noch keine Namen haben, sondern zunächst etwa als "der Nörgler" oder "die Revuetänzerin" tituliert werden, bringen schon durch diese charakterlichen Zuweisungen bereits genug Unterschiede mit sich, um die Spannung in diesem Kammerspiel voranzutreiben.

Dabei blitzt auch bereits der Humor des Autors durch, der sich durch das ganze Buch zieht, obwohl gleichzeitig auch die Spannung und ein gewisser Gruselfaktor steigen.

Dass der "ältere Herr von der königlichen parapsychologischen Gesellschaft" in seinem Sammeln von Indizien und Schlüsse ziehen zudem stark an den genialen Poirot erinnert, mag Zufall sein, dennoch braucht dieses Buch bis zum Schluss nicht den Vergleich mit Agatha-Christie-Krimis zu scheuen.

Auch wenn mir manchmal nicht so ganz klar war, woher dieser "Hobbydetektiv" seine eine oder andere Erkenntnis bezogen hat. 
Symptomatisch ist dafür ein "Verhör", das er führt:

"Zwingen Sie mich nicht, meine Fragen zu wiederholen."
"Ja schon, aber wenn Sie Antworten auf die meisten sowieso schon kennen?"
(Geheimnis in Weiß an Pos. 3244)

Aber nicht umsonst sind "Geister" ja sein Spezialgebiet und so bleibt auch ein gewisses Mystery-Element erhalten.



Fazit: 

Die ganze Atmosphäre dieses Hauses, in dem diese Menschen durch den Schneesturm über einen langen Zeitraum eingeschlossen sind, macht das Buch zu genau dem richtigen für lange Winterabende! 

Ich bin absolut begeistert über diesen Fund der British Library und kann nur hoffen, dass weitere Romane des Autors (von denen es wohl über 60 gibt) aus der Vergessenheit gezogen und einem breiten Publikum wieder zugänglich gemacht werden.


Kommentare:

  1. Hi,
    ich hab von dem Buch jetzt schon häufiger was gehört und bisher nur Gutes. Allein die Prämisse: Gruppe von Menschen - wegen Schneesturm in Haus eingeschlossen" finde ich klasse.
    Es gab vor ein paar Jahren auch eine Fantasyreihe, die mit genau so einem Band begann und ich war ganz hingerissen.

    Und wenn ich dann solche Rezensionen lese, denke ich doch immer wieder darüber nach, ob ich nicht doch mal so ein Krimibuch ausprobieren sollte. Ich bin bisher nie der Typ für Cozys, oder generell für Krimis gewesen und manchmal frage ich mich, ob ichs nicht wenigstens mal testen sollte.

    Einen schönen Sonntag dir...
    Ina

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  2. @ Ina

    Testen kann man immer. Es gibt auch ganz unterschiedliche Krimi-Typen: lustige, blutige, weniger blutige, Heimat-Krimis, Krimi-Reihen und, und, und... die Frage ist, was Dich interessiert.

    Ich bin ein totaler Agatha Christie-Fan - und da war dieses Buch genau das richtige. ;)

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  3. Das klingt wirklich reizvoll! Meistens finde ich zwar bei solchen Büchern, dass es einen Grund dafür gab, dass sie in Vergessenheit gerieten, aber manchmal stolpert man so dann doch über richtige Schätze. Mal schauen, ob ich den Titel mal in die Finger bekomme! :)

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    1. @ Winterkatze

      Davon bin ich auch immer ausgegangen. Und bin hier echt eines besseren belehrt worden. Dieser Autor hier hat z.B. auch die Vorlage für Hitchcocks "Nummer 17 geliefert. Keine Ahnung, warum sowas irgendwann in der Versenkung verschwindet.

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    2. Ich vermute, das liegt häufig an den Verlagen und deren Umgang mit den Veröffentlichungsrechten. Wenn ein Autor lange Zeit nicht aufgelegt wird, erinnert sich irgendwann auch keiner mehr an ihn ...

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    3. @ Winterkatze

      Wer weiß, was da noch alles in Vergessenheit geraten ist. Traurig...

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  4. Das klingt toll! Ich liebe solche Krimis mit "geschlossenen" Räumen und zusammen mit dem Schneesturm werde ich auch gleich an "Acht Frauen" erinnert (auch wenn dort die Umsetzung ja sehr ironisch ist). Wandert sofort auf meine Wunschliste. :-)

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