Montag, 15. Oktober 2018

Herbstlesen #3 - Wochenende 13./14.Oktober 2018

Da ich am Wochenende überhaupt nicht zum Bloggen gekommen bin, aber zumindest gedanklich am Herbstlesen teilgenommen habe und auch immer wieder versucht habe, Eure Beiträge dazu zu lesen, möchte ich hier zumindest eine Zusammenfassung meines letzten Herbstwochenendes schreiben.

Irgendwie war die Woche ziemlich arbeitsintensiv und ich hatte mit totaler Müdigkeit zu kämpfen in Korrelation mit meinem Schreibtisch, der sich vor anstehenden Korrekturen bog.

Trotzdem habe ich versucht, in der vorigen Woche immer mal rauszugehen und etwas von der unglaublichen Herbst-Sonne zu tanken (u.a. war ich in der tollen Dahlien-Ausstellung im Britzer Garten) - und das Sonnetanken war auch mein Vorhaben für's Wochenende. Das Wetter meint es ja noch wirklich gut mit uns.



 Ich wollte eigentlich unheimlich gern mal den nördlichen Mauerradweg fahren, da ich diesen - im Gegensatz zum südlichen - überhaupt nicht kenne. Irgendwie konnten die Herzensfrau und ich uns aber freizeittechnisch nicht so recht einigen und letztlich waren wir stattdessen ein wenig spazieren, Eis essen und rudern, was auch sehr schön war. Mit Wasser bekommt man mich ja immer.




Am Sonntag war ich in meiner Eigenschaft als Patentante gefragt und bin zum Gottesdienst mit meinem Patenkind gefahren.
Die Pfarrerin hatte alle Täuflinge des letzten Jahres eingeladen und einen wirklich schönen Kindergottesdienst mit anschließendem Kartoffelsuppeessen veranstaltet.



Danach haben wir das schöne Wetter noch genutzt und ich bin mit ihr in den Garten ihres Vaters gefahren, der froh war, mal in Ruhe seine Pflanzen pflegen zu können, während wir Verstecken u.ä. gespielt haben (die Mama musste arbeiten).

Dazu muss man sagen, dass der Zwerg gerade 2 Jahre ist und ich ihr also das Versteckspielen erstmal beibrachte.
Dazu haben wir uns abwechselnd versteckt. Soweit der Plan.
Sie hat mich super gesucht und gefunden (ich habe es natürlich nicht so schwer gemacht), fand es dann aber total logisch, sich dann immer an genau der Stelle zu verstecken, wo ich vorher auch war.
Das muss ich ihr irgendwie noch beibringen, dass ein neues Versteck vorteilhafter wäre. *lach*



Mit dem Bauch voller Keksen bin ich dann schweren Herzens zurück an meinen Schreibtisch, wobei die Arbeit dann aber etwas schneller von der Hand ging, zumal ich mich abends nochmal mit der Herzensfrau getroffen habe, um den letzten Tag von "Berlin leuchtet" fotografisch noch mitzunehmen.








Es gab schon Jahre, da bin ich mit Skihose, 3 Pullovern und Schal umhergelaufen. Gestern konnten wir das noch mit offener Jacke machen. Wahnsinn.

Zwischendurch habe ich an diesem Wochenende immer mal versucht, ein wenig Hörbuch zu hören (immer noch "Winter der Welt"), wobei ich aufgrund der Schwere des Themas auch immer wieder Pausen machen muss und gerade keinen richtigen Ausgleich mit einem anderen Hörbuch finde.
Vielleicht mal wieder ein Krimi - mal sehen. Oder hat jemand einen schönen Tipp für mich?

Den 6. Band der Nightingale-Schwestern habe ich gestern beendet und gleich den 7. angefangen, wobei bei mir gerade so eine leichte Themenübersättigung einsetzt, was schade ist, weil ich diese Reihe liebe.
Wohl auch durch den weihnachtlichen Titel, der eher in unser Adventslesen passt, habe ich zur Abwechslung dann auch mal wieder zu anderen Büchern gegriffen:

SKOOBE hat ein Buch reingestellt, was ich schon seit einer Weile lesen wollte:

"Die RAF hat Euch lieb" von der Tochter von Ulrike Meinhoff, Bettina Röhl. wobei ich schon nach der Einleitung nicht weiß, ob ich das Buch noch weiterlesen mag, immerhin stellt sie mal eben 50 Jahre RAF-Forschung, Dokumente, Dissertationen, Zeitzeugen etc. komplett in Frage.
"Alles war anders" ist der Tenor. Tja.

Zudem hatte hier jemand "Wortwächter" von Akram  El-Bahay empfohlen, was ich ebenfalls begonnen habe.
Schon die Kurzbeschreibung hatte mich so gefessselt, dass das Buch sofort auf meine Merkliste gewandert ist. Ich denke gerade viel über den Einfluss der Medien auf unser Sein und das Thema "Achtsamkeit" nach und da passt dieses Buch, was ein Hommage an das Lesen ist, sehr gut.

"Du wolltest es doch" liegt auch schon ewig auf meinem KINDLE und ist ebenfalls von mir begonnen worden, auch wenn dieses Buch aufgrund seiner Missbrauchthematik ebenfalls kein einfaches ist.

So bin ich zur Zeit mit einem breiten Lesespektrum ausgestattet und springe ein wenig.

Die nächsten beiden Wochenenden werde ich mich wohl aus Schleswig-Holstein melden, da ich tatsächlich noch kurzfristig einen Urlaubsplatz an der Ostsee bekommen habe (yipieh!).
Ich kenne sonst nur die mecklenburgische Seite und bin schon gespannt. Sonntag geht's los.

Leider wartet bis dahin aber auch noch eine Menge Arbeit auf mich.

Liebe Grüße,




Sonntag, 7. Oktober 2018

Herbstlesen #2 - Sonntag, 07. Oktober 2018

13.30 Uhr: Heute Vormittag sind wir irgendwie nicht so recht in die Gänge gekommen.
Es ist bei Weitem nicht mehr so schön draußen, wie gestern und ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell mir das auf die Stimmung drückt. Tatsächlich habe ich das Gefühl, immer wetterfühliger zu werden, je älter ich werde.

So habe ich auch gleich im Internet nach einem Urlaubsdomilzil geschaut, in das ich mich in 2 Wochen verkrümeln und vielleicht noch ein wenig auftanken kann.
Aber so recht fündig bin ich noch nicht geworden, zumal ich zugegebenermaßen diesmal auch echt spät damit dran bin. Aber wir haben/hatten einige private Unabwägbarkeiten, die ich uns nicht so recht planen lassen/ließen.

Trotzdem habe ich schon ein wenig gelesen im Band 6 der Nightingale-Schwestern
und leide unglaublich mit diesen tapferen Frauen und auch Männern, die sich komplett dem Heilen und Helfen verschrieben haben, selbst wenn um sie herum Bomben niedergehen und sie ihr eigenes Leben riskieren.

Wenn ich mir viele Menschen heute so ansehe, frage ich mich, ob diese Generationen heute auch noch zu solch selbstlosem Handeln in der Lage wären. Ich schließe mich da mit ein.

Dazu passt auch der Film, den wir gestern Abend noch gesehen haben ("Willkommen bei den Hartmanns" ). Es war wirklich erstaunlich, was die pure Anwesenheit eines Menschen, der einfach nur anders aussieht, für reflexhafte Abwehrreaktionen bei seiner Umwelt auslösen kann. Klischeehaft überzogen, keine Frage, aber letztlich völlig real, wenn man die Nachrichten sich jeden Tag so ansieht.

Extra für Konstanze hier ein Bild von unserem Frühstückstisch mit bereits besprochenem Mumins-Geschirr (Teller und Tasse im Hintergrund).

Jetzt schaue ich erstmal, wie es Euch so geht.

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Update, 18 Uhr: So, jetzt bin ich wieder vom Norden Berlins zurück in meine eigene Wohnung gefahren und vermisse die Herzensfrau. Eine gemeinsame Wohnung wäre irgendwann wirklich schön, aber der Wohnungsmarkt gibt das derzeit einfach nicht her.

Bereits im Auto habe ich mich mit "Winter der Welt" von Ken Follett abgelenkt. Wobei einige Teile seiner Geschichten wirklich grausam sind.
Zudem versucht er möglichst viel in seine Storys zu packen, um die Zeit des 2. Weltkrieges komplex abzubilden, aber zum Teil ist das Erleben für einen einzelnen Protagonisten wirklich ZU VIEL (Konzentrationslager, Folter, Zurückweisung, Betrug, Prügeleien u.ä.)

Zwischendurch muss ich immer mal Pause machen, um all das sacken zu lassen.

Dann mache ich meine Orchideen winterfest, denen der diesjährige Sommer auf den Balkon auch nicht wirklich gut bekommen ist. Mal schauen, wie viele die nächsten Monate überleben.


Update, 21 Uhr: Ich höre weiterhin mein Hörbuch, hab aber gleichzeitig Lust bekommen, mal wieder ein wenig zu zeichnen.

Da ich meine Hände aus gesundheitlichen Gründen derzeit nicht überanstrengen darf, nutze ich momentan dafür eine Ausmal-App, die mich wirklich beeindruckt. Ich hätte nicht gedacht, dass digital solche Schattierungen möglich sind. Ich zeige Euch hier mein - noch unfertiges Bild - an dem ich derzeit arbeite.
Ich staune, welche Tiefe sich mit den Farbabstufungen erzeugen lassen und hoffe, dass ich dies auch auf mein "analoges" Zeichnen übertragen kann.


So langsam werde ich aber müde und ich werde vielleicht nochmal ein wenig auf den Urlaubsportalen stöbern, ob ich nicht doch noch fündig werde.

Lasst es Euch gut gehen, bis nächste Woche,

Samstag, 6. Oktober 2018

Herbstlesen #1 - Samstag, 06. Oktober 2018

8.00 Uhr: Einen schönen guten Morgen! Ich habe mich wie immer sehr auf das Herbstlesen von Konstanze in diesem Jahr gefreut - allerdings in diesem Jahr überhaupt auf den Herbst nach diesem unglaublichen Sommer, der mich aufgrund seiner extremen Temperaturen viel zu lange zur regelrechten Bewegungsunfähigkeit (Dachgeschosswohnung!) und irgendwann wirklich nervenden Untätigkeit verdammt hat.
Sonst bin ich eigentlich nicht so temperturempfindlich, aber in diesem Jahr habe ich echt gelitten.

Auch auf diesem Blog war es daher bis auf den einen oder anderen Blogeintrag recht lange still.

Ich weiß nicht, ob es Euch ebenso ging, aber wie ich gesehen habe, standen einige von Euch schon am 3. Oktober vorzeitig für das Herbstlesen in den Startlöchern.
Diesen Tag haben die Herzensfrau und ich für einen kleinen Ausflug Richtung Dresden genutzt, an dem wir u.a. das Grab von Lili Elbe (besser bekannt als THE DANISH GIRL) genutzt haben.


Normalerweise nutze ich das Herbstlesen, um zur Ruhe zu kommen und mich auf lange Abende auf der Couch einzustellen. In diesem Jahr ist es eher umgekehrt.

Es fiel mir erstaunlich leicht, irgendwo herumzusitzen und zu lesen. Dies hing - neben dem Wetter - vor allem mit der wundervollen Reihe um die Nightingale-Schwestern zusammen, die ich mit großer Begeisterung lese und bei der ich mittlerweile bei Band 6 angelangt bin.

Überhaupt haben es mir derzeit die großen Jahrhundert-Sagas angetan. Passend zur Zeit des 2. Weltkrieges, in der sich die Nightingale-Schwestern nun befinden, höre ich derzeit vor allem abends "Winter der Welt" von Ken Follett.

Tatsächlich gibt es derzeit viele ähliche Buchreihen, die sich mit dem letzten Jahrhundert beschäftigen. Offenbar ist es nun an der Zeit, dieses literarisch abzuschließen und ich freue mich, falls Ihr diesbezüglich Buchtipps für mich habt.

Passend dazu haben die Herzensfrau und ich in den letzten Tagen "BABYLON Berlin" gesehen, dass ja auf der Buchreihe von Volker Kutscher beruht und das wunderbare, aber auch erschütternde Bilder in meinen Kopf projiziert hat. (Noch jemand? Wie hat es Euch gefallen?)




Insofern denke ich, dass ich bestimmt auch noch einmal zur Graphic Novel von "Der nasse Fisch" greifen werde, die ich schon letztes Jahr beim Herbstlesen auf meinem Nachttisch hatte.

Nun schaue ich aber erstmal, wer heute alles zu dabei ist und melde mich hier später wieder.

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Update 13 Uhr: Am Vormittag habe ich meinen Haushalt ein wenig auf Vordermann gebracht, während ich "Winter der Welt" weitergehört habe - irgendwann verlässt mich aber immer die Konzentration und ich muss aufpassen, dass ich den Überblick bei den vielen Figuren nicht verliere.

Da draußen heute noch einmal die Sonne strahlt, bin ich irgendwann auf den Balkon umgezogen, zumal die Vögel schon heute Morgen hungrig in mein leeres Vogelhaus schauten. Es ist definitv Herbst. Die Erfahrung lehrt, dass am Ende des Herbstlesens sich das Wetter von seiner nasskalten Seite zeigen wird und wohl kein Blatt mehr am Baum ist.

Daher habe ich die Piepmätze erstmal versorgt und danach versucht im 6. Band der Nightingale-Schwestern weiterzulesen.



Es fühlt sich jedoch merkwürdig an, auf dem Balkon zu sitzen, den Vögeln zuzuhören und gleichzeitig vom Bombenhagel über London im 6. Band der Nightingale-Schwestern zu lesen.

Deswegen habe ich damit erstmal aufgehört und gehe noch einmal auf Blogrunde. Toll, dass sich so viele Mitleserinnen eingefunden haben!


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Update 21 Uhr: Am Nachmittag bin ich vom Süden Berlins in den Norden "umgezogen", sprich zur Herzensfrau gefahren, um mit ihr das restliche Wochenende zu verbringen. Da aufgrund des tollen Wetters halb Berlin unterwegs war, stand ich ewig im Stau und hatte auf die Art Zeit, weiter "Winter der Welt" zu hören.

Wir hatten eigentlich überlegt, am Abend noch ein wenig durch die Innenstadt zu stromern und uns die Illuminationen von "Berlin leuchtet" anzusehen. Das haben wir gestern schon gemacht und willten wir heute komplettieren.

Aber irgendwie sind wir platt und haben uns stattdessen jetzt für einen gemütlichen DVD-Abend auf der Couch mit dem Film "Willkommen bei den Hartmanns" entschieden, den wir beide noch nicht gesehen haben, aber auf der "TO WATCH"-Liste stand.

Kurzinhalt (Videomarkt.de): Angelika Hartmann fasst einen folgenschweren Entschluss, der ihre harmonische Familie auf den Prüfstand stellt: Aufgewühlt von den Ereignissen, will sie einen Flüchtling in ihrem Haus aufnehmen. Der Schwarzafrikaner erweist sich als freundlicher junger Mann, was allerdings nicht verhindern kann, dass die ganze Umwelt der Hartmanns aufgrund seiner bloßen Anwesenheit durchzudrehen scheint. Die Lage eskaliert, die Polizei wird ebenso auf den Plan gerufen wie Islamisten, und bei den Hartmanns hängt der Haussegen schief. 

Wir sind gespannt.

Ich hoffe, Ihr könnt Euren Abend genießen.

LG,







Mittwoch, 22. August 2018

REZENSION: Es muss wohl an Dir liegen (Hörbuch)


Titel: Es muss wohl an Dir liegen
Autorin: Mhairi McFarlane
Länge: 6 CDs, 7 Stunden 43 Minuten

Sprecherin: Britta Steffenhagen




Kurzinhalt (Verlagstext):


Herzschmerz statt Honeymoon
Am 10. Jahrestag macht Delia ihrem Freund Paul einen Heiratsantrag. Als moderne Frau nimmt man die Dinge schließlich selbst in die Hand. Leider reagiert Paul eher verhalten als begeistert. Er sagt zwar Ja, braucht dann aber erstmal ein Bier. Während er an der Bar die Bestellung abgibt, erhält Delia eine SMS: »Sie hat mir einen Antrag gemacht. Was soll ich nur tun??? Können wir uns morgen sehen?« Offensichtlich hat Paul nach zehn Jahren Beziehung den Moment genutzt, um sich eine Jüngere zu suchen, während Delia dachte, sie wären nun bereit, um den nächsten Schritt zu gehen. Diesen geht sie dann kurzentschlossen allein – nämlich raus aus dem gemeinsamen Haus.

Meine Meinung:

Angesprochen vom Verlagstext, bin ich sofort an diesem Hörbuch kleben geblieben. Das lag nicht nur an der äußerst symphatischen Protagonistin, die ich wirklich schnell in mein Herz geschlossen habe, sondern vor allem auch an der Sprecherin des Hörbuches, Britta Steffehagen, die Delia mit ihrer Stimme Leben einhaucht.
Und was für welches!

Obwohl ich Steffenhagen noch von früher als Moderatorin auf dem Berliner Sender Radio 1 kenne, war mir nicht bewusst, dass sie ihre Stimme derart knautschen und knarren lassen kann. Das war echt Kino für die Ohren.

Ich weiß nicht, ob ich jemals unbedingt das Buch "Es muss wohl an Dir liegen" gelesen hätte, dafür liegt einfach zu viel anderes auf meinem Nachttisch, aber das Hörbuch habe ich dann in einem Rutsch durchgehört.

Überhaupt habe ich festgestellt, dass ich ganz andere Geschichten höre, als lese. Aber das ist vielleicht auch gut so und erweitert das Spektrum.

Wobei mir auch die Story echt zu Herzen ging: Die Vorstellung, dass jemand nach 10 Jahren dem Liebsten einen Antrag macht und dann eine SMS von ihm erhält, die eigentlich an seine Geliebte ist, so dass das Liebeskartenhaus plötzlich zusammenstürzt, hat mich sehr ergriffen.
Vielleicht weil ich ähnliches kenne.

Ich habe Delia jedenfalls bewundert, wie sie ihr Leben nach diesem völligen Zusammenbruch von allem, wonach sie geplant hat, weiterführt und diesem eine völlig neue Richtung gibt.

Dabei ist nichts geradlinig oder vorhersehbar. Eher im Gegenteil. Und das hat das Hörbuch für mich - neben all dem Humor und der Satire, die es sicher auch enthält - durchaus auch in weiten Teilen realistisch gemacht.

Fazit:

Ich werde mir weitere Geschichten von Mhairi McFarlane holen, denn Delia fehlt mir als Person jetzt schon. Vielleicht schaffen auch ihre anderen Hautptfiguren es, mich weiter so zu beschäftigen.






Mittwoch, 1. August 2018

REZENSION: Die Nightingale-Schwestern 1 - Freundinnen fürs Leben


Titel: Die Nightingale Schwestern 1 - Freundinnen fürs Leben
Autorin: Donna Douglas

Seiten: 592

Verlag: Bastei Lübbe



Kurzinhalt:

London, 1934. Das berühmte Nightingale Hospital sucht neue Krankenschwestern. Unter den Kandidatinnen sind drei junge Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Während Dora aus ärmlichen Verhältnissen stammt, ist Millie eine waschechte Aristokratin, die lieber etwas Sinnvolles tut, als sich einen Ehemann zu suchen. Helen dagegen leidet unter ihrer dominanten Mutter, vor der sie ein Geheimnis verbirgt. Doch welche von ihnen hat das Zeug dazu, eine echte Nightingale-Schwester zu werden?


Meine Meinung:


Wer die Charité-Serie im letzten Jahr in der ARD verfolgt hat, kann sich vielleicht hineinversetzen in die Zeit der Jahrhundertwende, da Krankenhäuser Orte waren, an denen man als Patient nicht unbedingt sein wollte (heute sicher auch nicht, aber was da zum Teil noch experimentiert wurde und es für Vorstellungen von Hygiene gab, man mag gar nicht genauer drüber nachdenken).

Die Serie "Die Nightingale-Schwestern" spielt im England Anfang der 1930er Jahre und genau wie in der Charité-Serie sind es die Frauen, die die niederen Arbeiten als Krankenschwestern verrichten und wirklich ausgebeutet werden, während es den Männern vorbehalten war, Arzt zu werden.

In England wird diese Teilung durch die Tradition der berühmten Florence Nightingale noch zusätzlich manifestiert, wobei in diesem ersten Band drei ganz unterschiedliche junge Frauen in die Fußstapfen der berühmten Krankeschwester treten wollen.

Ja, hier gibt es breite Klischees von der armen, sozial schwachen Dora, hin zu der Aristrokratin Millie, aber es ist eine Glanzleistung der Autorin diese Figuren mit wirklich differenziertem Leben zu füllen und diese in ein unglaublich lebendiges Umfeld zu schreiben.

Dabei verfolgt man als Leser nicht nur das Leben innerhalb der Krankenhausmauern, sondern auch außerhalb in den verschiedenen Schichten und Milieus der damaligen Zeit.

Die Autorin fährt nach und nach ein unglaubliches Figuren-Potpourrie auf und obwohl ich dazu neige, schnell zu vergessen, wer wer ist, wenn so viele Figuren handeln, gelingt es ihr, alle Fäden stets zusammenlaufen zu lassen und mich immer mehr in die damalige Welt eintauchen zu lassen.

Auch wenn ich mehr als einmal die Augen über die strengen Oberschwestern verdreht habe, die den Lernschwestern das Leben zusätzlich schwer machen. Tatsächlich fühlte ich mich immer mehr als "Freundin" der drei Protagonistinnen und litt buchstäblich mit ihnen (und den Konventionen ihrer Zeit) und habe manchmal sogar das eine oder andere Tränchen verdrückt.

Lange schon hat mich kein Buch mehr so gefesselt, dass ich bis spät in die Nacht gelesen habe.


Fazit:

Gemischt mit einer Portion Herzschmerz und Liebe (ich habe zum Teil wirklich mitgelitten, so lebensecht sind manche Figuren), verspricht diese Serie noch viele unterhaltsame Lesestunden. Ich freue mich jedenfalls bereits auf den zweiten Teil und die weitere Entwicklung der Figuren.
Zumal mit jedem Jahr der Zweite Weltkrieg näher rückt und man das Unheil bereits ahnt.


Weitere Titel der Reihe (Links führen zu AMAZON):

Sonntag, 29. Juli 2018

REZENSION: Renate Bergmann - diverse Hörbücher

Zur Zeit sieht man sie überall in den Buchläden: eine verschmitzt dreinblickende alte Frau auf den Covern diverser Bücher, mit solche sprechenden Titeln wie "Ich bin nicht süß, ich habe nur Zucker" oder "Wer erbt, muss auch gießen."

Insofern war ich neugierig, als die Herzensfrau auf einer längeren Autofahrt "Das kann man doch noch essen" aus dem Radio schallen ließ und ich besagter Renate Bergmann (gesprochen von der wundervollen Carmen Maja-Antoni) bei diversen Haushaltstipps zuhörte - gespickt mit diversen Anekdoten aus dem "Leben" dieser "Online-Omi" (angeblich 82 Jahre, die es u.a. auch auf TWITTER gibt, seit ihr Neffe Stefan ihr ein Handy geschenkt hat).

"Leben" muss ich leider in Anführungszeichen setzen, denn schnell begann ich zu googeln, ob die Autorin als solche wirklich exisitiert.
"Leider nicht", muss ich meiner Enttäuschung Ausdruck verleihen - oder zumindest lebt sie in ihrem alter Ego Torsten Rhode, seines Zeichens Schriftsteller und halb so alt wie die von ihm erfundene Figur.

Ein Mann in den frühen Vierzigern, der sich in die Rolle eine alter Frau versetzt? In der Tat tut er dies mit unglaublicher Beobachtungsgabe und viel Sinn für das Alter und seine Situationskomik.

Mittlerweile habe ich diverse Hörbücher "von" Renate Bergmann gehört, manche werden auch von Marie Gruber gesprochen, wobei diese meiner Meinung nach die Stimmung nicht ganz so gut trifft. Aber das ist vielleicht auch meiner persönlichen Vorliebe für Carmen Maja-Antoni geschuldet, die es schafft, selbst uninteressante Sachen interessant vorzulesen.

So war ich also mit der Online-Omi mittlerweile auf Kreuzfahrt ("Besser als Bus fahren") sowie in der Reha ("Das bisschen Hüfte, du meine Güte"), wo sie mit ihrer neuen Hüfte kämpfte und habe sie auf vier verschiedene Friedhöfe begleitet, wo sie abwechselnd ihre vier toten Ehemänner begießt ("Wer erbt, muss auch gießen").

Nebenbei versucht sie mit dem Fortschritt mitzugehen, u.a. mit ihrem Tomatentelefon (gemeint ist ein Apple) oder kämpft gegen ihre "Ossiperose" (SIC!), während sie sich mit ihrer besten Freundin auf diversen Beerdigungen, von Menschen, die sie nicht kannte, durchfuttert.
Stets mit Tupperdose bewaffnet natürlich.


Fazit:

So oder so, ich habe unglaublich viel Spaß mit Renate Bergmann und der Vorteil an ihrem Erfinder Thorsten Rhode ist sicher, dass er höchstwahrscheinlich noch genug Jährchen vor sich hat, um seine alte Dame auf weitere zahlreiche Abenteuer durch die Welt der "Alten" zu schicken, die man aufeinmal mit ganz neuen Augen betrachtet.


Montag, 23. Juli 2018

REZENSION: Von Schülern, Eltern und anderen Besserwissern: Aberwitz im Schulalltag

Titel: Von Schülern, Eltern und anderen Besserwissern: Aberwitz im Schulalltag 
Autorin: Gabriele Frydrych
Seiten: 224 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch


 KURZINHALT:

Gabriele Frydrych, erprobt durch viele Jahre hinter dem Pult, liefert augenzwinkernd und mit bissigem Humor Einblicke in den aberwitzigen Alltag im Klassenzimmer.
Die handelnden Personen: pubertierende Ungeheuer, hauptberufliche Mütter, notorische Erziehungsverweigerer, besserwisserische Kollegen und überforderte Schulleiter.
Frydrychs scharfem Blick entgeht nichts; ihre spitze Feder zeichnet den ganz normalen Wahnsinn »Schule« auf.


MEINE MEINUNG:

Auf dem Cover ein Lehrer, der rauchend von gefesselten und geknebelten Schülern umgeben ist. Der Titel des Buches: "Von Schülern, Eltern und anderen Bessserwissern". Keine Frage: Hier schreibt eine Lehrerin für andere Lehrer.

Klingt nach Jammern? Passiert aber nicht.

Der Untertitel "Aberwitz im Schulalltag" verrät bereits die unglaublich lustige und dabei stringent pointierte Sicht auf das deutsche Schulsystem. In zahlreichen kleinen, schnell weggelesenen Kapiteln arbeitet sich die schreibende Lehrerin an diversen Missständen im Schulalltag ab.

 "Aberwitz" bedeutet völliger Unsinn und das trifft auch auf viele Dinge und Menschen zu, die der Autorin täglich begegnen.
Gleichzeitig verrät das Wörtchen "Witz" aber auch ihren absoluten humorvollen Blick auf das Ganze.

Und man begreift, wenn man zwischen den Zeilen liest: So schaurig, wie es jeden Tag in deutschen Klassenzimmern auch zugehen mag, dank all jener Menschen hinter dem Pult, die veraltete Technik, gelangweilte Schüler und besserwissende Eltern (noch?) mit viel Humor nehmen können, ist der Ort Schule durchaus noch ein.

Dabei vergisst die Autorin auch ihre eigene Person nicht auf die Schippe zu nehmen und das macht sie nur um so sympathischer.

FAZIT:

Großartig! Und man sollte genau diesen Menschen dankbar sein. Insofern sollte dieses Buch jedem Schulkind gleich am ersten Tag in die Schultüte gelegt werden.