Donnerstag, 14. März 2019

REZENSION: Der Sandmann

Momentan bin ich in die Tiefen der skandinavischen Thriller-Literatur abgetaucht und eine meiner absoluten Neuentdeckungen heißt Lars Kepler (ein schwedisches Autorenduo).





Titel: Der Sandmann (LINK ZU AMAZON)
Autor(en): Lars Kepler
Sprecher: Simon Jäger ODER Wolfram Koch
Verlag: Lübbe Audio



Kurzinhalt (Verlagstext):


Jurek Walter sitzt seit Jahren in Isolationshaft. Dem Serienmörder wird zugetraut, auch hinter Gittern noch schreckliches Unheil anzurichten. Als eines seiner letzten Opfer plötzlich lebendig wieder auftaucht, steht für Kommissar Joona Linna fest, dass der Mörder einen Komplizen haben muss. Der Fall wird neu aufgerollt und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt: Die Schwester des geretteten Mannes war damals auch entführt worden und ist womöglich noch am Leben! Um ihren Aufenthaltsort zu erfahren, bittet Joona seine Kollegin Saga Bauer, sich in die Psychiatrie einweisen zu lassen. Jemand muss das Vertrauen des Serienmörders gewinnen ...




Meine Meinung:


Um es vorweg zu schicken: Es gibt zwei Hörbuchausgaben dieses Buches, einmal gelesen von Wolfram Koch, einmal von Simon Jäger. Ich hatte die von Jäger und seine Art zu lesen hat sicher einen zusätzlichen Reiz dieser Geschichte ausgemacht.


Es gibt nämlich von "Der Sandmann" eine Art Nachfolgeband (Lazarus - LINK ZU AMAZON), der wiederum von Koch gelesen ist - und der konnte mich nicht so fesseln.


Aber zum Inhalt: Das Autorenduo hat rund um den Kommissar Joona Linna eine Krimireihe geschaffen, die man problemlos durcheinander bzw. unabhängig voneinander lesen kann. Dies hier ist der 4. Band der Reihe - aber ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass es überhaupt eine Reihe ist.

Vielmehr war ich unglaublich schnell drin und dran an den Figuren, der unheimlichen Atmosphäre, der Spannung, die aufgebaut wird. Es ist selten, dass ich Figuren als derart echt und lebendig empfinde, woran sicher auch Simon Jägers Art zu lesen seinen Anteil hat. Er lässt sich stets Zeit, so dass beim Hörer sich Bilder aufbauen können, man scheinbar wirklich "dabei" ist und bleibt.

Dieses Hörbuch hat mir jedenfalls einige schlaflose Nächte beschert, da ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht und an einschlafen nicht zu denken war. Konnte den Kommissar ja nicht einfach bei dem möglichen Mörder rumstehen lassen.

"Der Sandmann" ist dabei eine Analogie an die Schauergeschichte von E.T.A. Hoffmann, wobei der Sandmann in DIESER Geschichte einen durchaus realen Hintergrund hat und jede Fiktion draußen bleibt.

Menschen verschwinden immer wieder und ihre Angehörige stürzen darüber in abgrundtiefe Verzweiflung.
Gleichzeitig erlebt man den Gefangenen Jurek Walter, der offenbar mit all dem zu tun hat, als ruhig und erstaunlich besonnen. Aber wie der mythische "Sandmann" streut er Sand in die Augen, um die Wahrheit nicht zu sehen. Und das nicht nur bei den Beteiligten dieses Thrillers, sondern auch beim Hörer.


Fazit:

Sehr, sehr spannend, mit unglaublichen lebendigen und real wirkenden Figuren, gelesen von einem hervorragendem Simon Jäger. Das nächste Hörbuch in der Kombi Kepler-Jäger ist bereits auf meinen Öhrchen (Flammenkinder - LINK ZU AMAZON).





Samstag, 9. März 2019

REZENSION: Ums Leben gebracht ODER Der Terror in meiner Ehe

Titel: Ums Leben gebracht ODER Der Terror in meiner Ehe (LINK ZU AMAZON)
Autorin: Brigitte Biermann
Verlag: Patmos
Seiten: 222 Seiten



Kurzinhalt (Verlagstext):

Andreas Ehe ist ein Desaster. Demütigung und Gewalt sind an der Tagesordnung. Ihre Versuche, vor ihrem Mann zu fliehen, scheitern. Er findet sie überall, und sie fällt auf seine Beteuerungen, dass er sich bessern werde, rein. Als sich die Lage zuspitzt, er sie bedroht und sie keinen Ausweg mehr sieht, bringt sie ihren Mann um und stellt sich sofort der Polizei.

Wegen Mordes zu 12 Jahren Haft verurteilt, schreibt sie Briefe an ihre Tochter, die sie ihr geben will, wenn diese erwachsen ist. So wird der Leser Zeuge, wie Andrea im Gefängnis an Selbstbewusstsein gewinnt und – auch in der Auseinandersetzung mit ihrer Tat – den aufrechten Gang lernt. Viel Feingefühl und Sachverstand zeichnen diese berührenden Briefe aus, die Brigitte Biermann in Anlehnung an die wahre Geschichte Andreas verfasst hat. Sie regen auch zur Diskussion über Schuld und die Gerechtigkeit von Gerichtsurteilen an.


Meine Meinung:

Was mich von Anfang an sehr berührt hat bei diesen Briefen aus dem Gefängnis, ist die abolute Authentizität der Eindrücke, die Andrea beschreibt (auch wenn die Briefe von der Autorin Biermann auf Grundlage der Geschichte Andreas verfasst worden sind).
Sie beschreibt die Gerüche, mit den sie zu tun hat, die Enge, den absoluten Verlust von Privatsphäre. Noch nie war ich so sehr MIT jemandem im Gefängnis und konnte alles so stark nachfühlen.

Vor allem, wenn man sich über die Vorgeschichte von Andrea bewusst ist, die durch den Mord an ihrem Mann versucht hat, sich aus einem vorhergehendem "Gefängnis" zu befreien - nämlich dem ihrer Ehe, in der sie missbraucht, terrorisiert und permanent vergewaltigt worden ist.


Als ihr dies schließlich gelang (es steht außer Frage, dass es auch andere Fluchtvarianten als Mord gegeben hätte, aber im Buch wird deutlich, warum ihr dies nicht gelang), hat sie nun wieder ein Gefängnis vor sich: diesmal verurteilt zu 12 Jahren Haft.

Ihre Tochter sieht sie zu den Besuchszeiten, aber es ist dem Leser schnell klar, dass sie durch ihren Gefängnisaufenthalt auch hier niemals ein normales Mutter-Tochter-Verhältnis wird leben können, was für zusätzliche Trauer und Verluste sorgt.

Man leidet unglaublich mit dieser Frau mit, die auf so vielfachen Ebenen bestraft ist.

Was wirklich genau in dieser Ehe alles passiert ist, wird so nach und nach in den Briefen aufgedeckt.
Gleichzeitig merkt man Andrea im Laufe der Jahre eine erstaunliche Entwicklung an, da sie im Gefängnis immer stärker an Selbstbewusstsein gewinnt und man ihr nur wünschen kann, niemals wieder in solch eine Situation zu kommen.


Fazit:

Berührende Lebensgeschichte, die einem unglaublich lange nachgeht und viel über Gerechtigkeit von Urteilen nachdenken lässt.




Mittwoch, 6. März 2019

REZENSION: Geisterfjord

Titel: Geisterfjord (LINK ZU AMAZON)
Autorin: Yrsa Sigurðardóttir
Verlag: Fischer Taschenbuch
Seiten:  368 Seiten


Kurzinhalt (Verlagstext):

Drei junge Leute aus Reykjavík planen, ein heruntergekommenes Haus in einem verlassenen Dorf in den kargen Westfjorden Islands wieder aufzubauen; sie ahnen nicht, welch gewaltige Ereignisse sie damit in Gang setzen.

In einer Kleinstadt am anderen Ende des Fjords ermittelt zur selben Zeit Polizistin Dagný gemeinsam mit Freyr, einem Psychologen, in einer Reihe von unnatürlichen Todesfällen. Welche Geheimnisse bergen die staubigen Polizeiakten aus dem vorigen Jahrhundert? Und warum hat Freyr auf einmal das Gefühl, dass sein verschollener Sohn noch am Leben sein könnte? Erst als die Verbindung zwischen diesen rätselhaften Geschehnissen sichtbar wird, enthüllt sich die grausige Wahrheit.

Dieser unheimliche und furchteinflößende Roman der internationalen Bestseller-Autorin Yrsa Sigurðardóttir ist, neben diversen Kinderbüchern, ihr sechstes Buch für Erwachsene und beruht zum Teil auf Tatsachen.


Meine Meinung:

Die dunkle Jahreszeit und einige daraus resultierende Krankentage haben mich nun auch zu meinem ersten Island-Thriller greifen lassen - irgendwie war mir danach.

Da ich von Yrsa Sigurðardóttir kurz vorher bereits ein Hörbuch gehört hatte und mir ihre Art zu schreiben ganz gut gefallen hatte, schaute ich bei SKOOBE, was es an Büchern von ihr gibt und entschied mich für dieses.

Zunächst das Positive: Was ich wirklich angenehm bei Yrsa Sigurðardóttir finde, ist, dass sie nicht so wahnsinnig viele Figuren auffährt, speziell dieser Roman wirkt wie ein kleines Kammerspiel.
Die Kapitel wechseln immer zwischen dem kleinen verlassenen Dorf, in dem die drei Freunde Gardar, Liv und Katrin ein altes Haus renovieren sowie einer isländischen Großstadt (wie die meisten in dem Buch unaussprechlich bzw. unschreibbar), in der die Polizistin Dagny und der Psychologe Freyr in einer Reihe von Todesfällen ermitteln.

Man fragt sich die ganze Zeit, wie all dies zusammenhängen mag (denn das tut es).

Zudem spukt es gewaltig in dem Buch.

Und damit komme ich zu meinem Kritikpunkt. Das Ganze wird als Island-Thriller untertitelt verkauft und tatsächlich habe ich bis zum Schluss geglaubt, dass alles eine realitätsnahe Aufklärung erfährt.
Insofern rätselt man mit, kombiniert... nur um Ende festzustellen, dass dieses Buch doch eher im Fantasy-Grusel-Bereich anzusiedeln ist.

Wer damit leben kann, erhält ein spannendes Buch, dass vor allem im letzten Drittel unglaublich gruselig ist (ja, ich musste einmal sogar bei Licht schlafen, als ich abends noch darin las).

Wie Yrsa Sigurðardóttir nachher alle Fäden zusammenführt ist großartig und wird mich sicher noch weitere Bücher von ihr lesen lassen.
Ich weiß ja jetzt, was mich erwartet. Island eben - mit all seinen Mythen und Geistern.


Fazit:

Spannend, gruselig, Island - kein Thriller, sondern eher ein Gruselroman. Doch der hat es in sich. Mich hätte nur noch interessiert, welche Tatsachen genau hier verarbeitet worden sind (siehe obige Verlagsbeschreibung). Dazu habe ich leider nichts im Buch gefunden.


Dienstag, 5. Februar 2019

REZENSION: Zeiten des Aufbruchs

Titel: Zeiten des Aufbruchs (LINK ZU AMAZON)
Autorin: Carmen Korn
Seiten: 608 Seiten
Verlag: Rororo




Kurzinhalt ( Verlagstext):

Wirtschaftswunder, Rock ‘n‘ Roll, Cocktailpartys – der zweite Teil der Jahrhundert-Trilogie
1949: Die vier Freundinnen Henny, Käthe, Ida und Lina stammen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen. Dabei sind sie im Hamburger Stadtteil Uhlenhorst nicht weit voneinander entfernt aufgewachsen. Seit Jahrzehnten schon teilen sie Glück und Unglück miteinander, die kleinen Freuden genauso wie die dunkelsten Momente. 
Hinter ihnen liegen zwei Weltkriege. Hamburg ist zerstört. Doch mit den Fünfzigern beginnt das deutsche Wirtschaftswunder. Endlich geht es aufwärts: Hennys Tochter Marike wird Ärztin, Sohn Klaus bekommt eine Stelle beim Rundfunk. Ganz neue Klänge sind es, die da aus den Radios der jungen Republik schallen. Lina gründet eine Buchhandlung, und auch Ida findet endlich ihre Berufung. Aufbruch überall. Nur wohin der Krieg Käthe verschlagen hat, wissen die Freundinnen noch immer nicht.
Im zweiten Teil ihrer Jahrhundert-Trilogie erzählt Carmen Korn mitreißend von der deutschen Nachkriegszeit, den pastellfarbenen Fünfzigern und der Aufbruchsstimmung der Sechzigerjahre. Vier Frauen. Hundert Jahre Deutschland. 



 
Meine Meinung:

Der zweite Teil um die 4 Frauen Henny, Käthe, Ida und Lina fing stark an. Der 2. Weltkrieg musste verarbeitet werden, das Trauma wirkte bei einigen Protagonisten lange nach. Ich war sehr berührt, zumal ich mit einigen Informationen konfrontiert wurde, die mir vorher nicht so bewusst waren, etwa dass Rückkehrer oft nicht in ihre eigene Heimatstadt zurück durften.

Jedoch, je weiter sich die Frauen zeitlich davon entfernten, umso weniger schien die Autorin mit der fortlaufenden Historie arbeiten zu können. 
Dabei hätte gerade die Wirtschaftswunderzeit und die nachfolgenden politisch unruhigen 60er Jahre sicher einiges Interessantes zu bieten gehabt.

Doch die Figuren bleiben davon seltsam unberührt. 

Zwar wird da mal ein Fernseher hingestellt und da schaut man sich die Mondlandung an - aber sonst? Der Mauerbau wird zur Randnotiz, vielleicht ist Hamburg auch einfach zu weit weg.

Auch das fortschreitende Alter der Figuren, was theoretisch auch einige Veränderungen mit sich bringen dürfte, scheint kaum eine Rolle zu spielen. Die Jahre plätschern scheinbar spurlos dahin. Aber die Autorin plant ja noch einen 3. Band und will ihre Hauptfiguren bis zur Jahrtausendwende führen.

Mir fehlten auch die Schwingungen im Miteinander, das Buch liest sich, als würde die Zeit einfach keine Rolle mehr spielen, es bleibt irgendwie alles gleich. 
Eltern sterben zwar, die Protagonisten rücken " in die erste Reihe" , wie Henny es an einer Stelle so schön formuliert. Aber werden alle ohne jegliche Zipperlein über 70? Gibt es keine Veränderungen mehr in den Paarkonstellationen, keine größeren Krisen, kein Streit? 

Einzig die Krankheit von Alex zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Aber sonst war ich enttäuscht. Gelebtes Leben ist nicht immer gleichförmig, einspurig, geradlinig. Da war der erste Teil bedeutend ehrlicher.







 
Fazit:

Leider plätschert der 2. Teil ab den 50er Jahren arg vor sich hin. Hier wurde viel Potential verschenkt. Schade.





Montag, 28. Januar 2019

REZENSION: Töchter einer neuen Zeit




Titel: Töchter einer neuen Zeit (LINK ZU AMAZON)
Autorin: Carmen Korn
Verlag: RoRoRo
Seiten: 560



Kurzinhalt (Verlagstext):


Vier Frauen, Zwei Weltkriege, Hundert Jahre Deutschland

Einer neuen – einer friedlichen – Generation auf die Welt helfen, das ist Henny Godhusens Plan, als sie im Frühjahr 1919 die Hebammenausbildung an der Hamburger Frauenklinik Finkenau beginnt. Gerade einmal neunzehn Jahre ist sie alt, doch hinter ihr liegt bereits ein Weltkrieg. Jetzt herrscht endlich Frieden, und Henny verspürt eine große Sehnsucht nach Leben.

Drei Frauen begleiten sie auf ihrem Weg: Ida wohnt in einem der herrschaftlichen Häuser am Hofweg und weiß nicht viel von der Welt jenseits der Beletage. Hennys Kollegin Käthe dagegen stammt aus einfachen Verhältnissen und unterstützt die Kommunisten. Und Lina führt als alleinstehende Lehrerin ein unkonventionelles Leben. Die vier Frauen teilen Höhen und Tiefen miteinander, persönliche Schicksalsschläge und die Verwerfungen der Weltpolitik, vor allem der Aufstieg der Nationalsozialisten und der drohende Zweite Weltkrieg, erschüttern immer wieder die Suche nach dem kleinen Glück.

«Töchter einer neuen Zeit» ist der Auftakt einer Trilogie, die diese vier Frauen, ihre Kinder und Enkelkinder durch das 20. Jahrhundert begleitet.


Meine Meinung:


Zu "Töchter einer neuen Zeit" habe ich vor allem erstmal aus Verzweiflung gegriffen. Meine geliebte "Nightingale-Reihe" war beendet, ein neuer Band lässt auf sich warten.

Die Kurzbeschreibung von Carmen Korn klang ähnlich: 4 Freundinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die als Hebammen arbeiten und durch die Jahre mit ihren Lebensgeschichten verfolgt werden.

Zudem reizte es mich, von Frauen zu lesen, die genau 1900 geboren sind und damit zwei Weltkriege bewusst miterlebt haben.

Ich habe ein bisschen gebraucht, um in den Schreibstil der Autorin hineinzukommen, der sich stark von dem von Donna Douglas unterscheidet.

Carmen Korn war STERN-Redakteurin, geizt aber gern mal mit Nomen oder Verben.
Das macht das Lesen oft holprig, irgendwann gewöhnt man sich aber daran und nimmt es als "Sprachstil" der von ihr beschriebenen Figuren, die vor allem im Arbeitermilieu anzusiedeln sind.

Auch inhaltlich haben die "Töchter einer neuen Zeit" so gar nichts mit den Krankenschwestern der Nightingale-Reihe gemein. Tatsächlich ist die Hebammen-Ausbildung nur ein Streiflicht, wie überhaupt vieles nur angerissen wird.

Das liegt vor allem wohl daran, dass Korn durch die Jahrzehnte rast. In relativ kurzen Kapiteln nimmt sie oft 2-Jahressprünge, manchmal springt sie auch nur einige Monate. Auf die Art bringt sie fast 30 Jahre Leben in 560 Seiten unter.

Dabei steht vor allem das Privatleben der Protagonistinnen im Mittelpunkt, die natürlich von den Irrungen und Wirrungen der Zeit nicht unberührt bleiben.
Vieles musste ich mir aber parallel anlesen, um es nachvollziehen zu können. Anderes fällt völlig unter den Tisch.

Das Buch beginnt 1919, die Hauptfiguren sind gerade 19 Jahre alt, der Erste Weltkrieg eben vorbei. Es endet mit den Nachkriegsjahren des Zweiten Weltkrieges.

Dennoch war ich gefesselt. Was sicher auch daran liegt, dass Korn auch homosexuelle Protagonisten und deren Schicksal nicht ausspart.

Zwar fehlte mir manchmal ein wenig das Wissen um die Hamburger Geografie, in der die Lebensgeschichte der Frauen angesiedelt ist, und einige nördliche spachliche Besonderheiten. Ein Glossar am Ende gibt diesbezüglich aber Auskunft.


Fazit:
Auftakt einer Trilogie, in die man sich erst hineinlesen muss, die aber nach und nach ihre Sogwirkung entfaltet. Ich bin mittlerweile schon beim zweiten Band.








Donnerstag, 10. Januar 2019

REZENSION: Mein Mann, seine Frauen und ich

Ich hoffe, Ihr seid alle gut ins Neue Jahr gestartet! Mir persönlich geht es so laaaangsam ein wenig besser (wobei ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen will), aber zumindest gibt es so den einen oder anderen Moment, an dem ich die dunklen Wolken ein wenig fortschieben kann.

Tatsächlich habe ich in diesem Jahr sogar schon ein Buch gelesen, das mich sehr beschäftigt hat und über das ich auch immer wieder sprechen musste, da der Inhalt so bewegend (und auf Tatsachen beruhend ist), dass man nicht damit allein bleiben möchte.

Wer bei dem Namen "Hera Lind" sofort Schnappatmung bekommt, möge an dieser Stelle dennoch weiterlesen. Denn die Vorstellung von rosa-Wolken-Frauenliteratur ist hier völlig fehl am Platze.


Titel: Mein Mann, seine Frauen und ich (LINK ZU AMAZON)
Autorin: Hera Lind
Seiten: 416 Seiten

Verlag: Diana


Kurzinhalt (Verlagstext):

Nach ihrer Scheidung genießt Nadia Schäfer die Unabhängigkeit. So lernt sie Karim kennen, einen gläubigen und gebildeten Moslem.
Sie lässt sich auf ihn ein, heiratet ihn sogar, weil der Islam Liebe ohne Trauschein verbietet.
Dass Karim bereits Frau und Kinder hat und die Ehe fortbesteht, nimmt sie in Kauf, denn er trägt Nadia auf Händen.
Sie ziehen in den Oman, wo Nadia nur tief verschleiert aus dem Haus gehen darf. Sie tut es für Karim – ein fürsorglicher Ehemann, der sich auch noch um seine erste Frau kümmert.
Bis er eines Tages Ehefrau Nummer drei mit nach Hause bringt …



Meine Meinung:

Man kennt es von "Nicht ohne meine Tochter": Westliche Frau heiratet arabischen Mann und unterwirft sich komplett seiner Weltanschauung (bzw. wird unterworfen).
Doch dieser Ansatz greift in diesem Buch viel zu kurz, denn faktisch behält Nadja ihren Pass und erfährt auch keine Gewalt - zumindest keine körperliche.

Jedoch erfährt sie, was es bedeutet, nie die alleinige Frau im Leben ihres Geliebten zu sein. Und diese Art zu leben hat mich unglaublich mitgenommen und erschüttert. Denn letztlich nimmt sie dies freiwillig und aus Liebe auf sich.

Sie heiratet diesen tief gläubigen Muslim, um ihn offiziell lieben zu dürfen - und heiratet damit aber seine erste Ehefrau und die 3 bereits vorhandenen Kinder mit.

Um ihn glücklich zu machen, wirft sie immer mehr ihrer Überzeugungen über Bord und schränkt sich dadurch immer mehr ein.

Mehr als einmal hätte ich sie am liebsten geschüttelt, wie auch viele ihrer Freunde und Familienmitglieder es ebenfalls tun. Doch letztlich findet sie in genau diesen Menschen auch einen Halt und einen sicheren Hafen, in den sie immer wieder zurückkehren kann.


Fazit:

Ein mal ganz anderer Einblick in die arabische Welt. Das Buch hat mich unglaublich bewegt.