Sonntag, 12. Juli 2009

REZENSION: Der Balsamträger



Kurzbeschreibung:

Das 18. Jahrhundet ist eine Zeit, in der die Namen der Menschen noch einiges über ihren Besitzer verraten. Zumindest ist das in Wolf Sernos Der Balsamträger so, dessen Titelheld auf den Namen Pausback hört: Riesenhaft gewachsen, aber leider mit einem allzu kleinen Hirn versehen, schlägt er sich mit seinem kleinen mobilen Laden im Jahr 1780 durch den Thüringer Wald.
Auf den Schultern trägt er Listig, einen beinlosen Zwerg von überragender Verstandeskraft, der ihm einst über den Weg gelaufen ist.
Gemeinsam bieten sie einer Welt Paroli, die von Räuberbanden, giftigen Pilzen und Betrügereien nur so wimmelt. Und in der auch eine schöne Giftmischerin lebt, die das perfekte Gespann gegeneinander auszuspielen sucht -- bis Listig seinen Freund ans Messer einer ungerechten Gerichtsbarkeit liefert.

Meine Meinung:

"Der Balsamträger" war das 2. Buch von Wolf Serno, was ich gelesen habe und wie schon bei "Die Hitzkammer" waren mir die Figuren auf Anhieb symphatisch. Allen voran der schlichte, aber liebenswerte "Pausback" (schon der Name :o)))
Er hat es nicht leicht in einer Welt, in der jeder auf seinen Vorteil bedacht ist. Dabei will er nichts anderes, als seinem verstorbenem Vater nacheifern und ein guter Verkäufer von Heilmitteln (eben Balsam) sein. Doch auf seinem Weg von Thüringen nach Hamburg merkt er schon bald, dass sein Verstand dafür nicht ausreicht.
Insofern ist das Treffen mit Listig für ihn ein Glücksfall. Dieser ist soetwas wie ein Till Eulenspiegel (und Serno erklärt auch im Nachwort, dass er sich von dieser literarischen Figur stark hat inspirieren lassen), der sich so schnell nicht die Butter vom Brot nehmen lässt. Und das, obwohl er keine Füße hat. Wie er die verloren hat - da kann man mehrere Versionen im Buch lesen, denn jedes Mal erzählt er eine andere, noch haarsträubende. Obwohl man als Leser weiß, wie es wirklich war.
Gemeinsam treffen sie die verschiedensten und zum Teil skurillsten Gestalten. Aber auch die Liebe und einige Morde kommen nicht zu kurz. Die Dialoge sind zum Teil einfach zu herrlich. Vor allem wie Listig den Leuten echt das Wort im Munde herumdreht und dabei ein Mittelding zwischen ziemlich liebenswert und unglaublich unverschämt darstellt.
Etwas verwundert hat mich die Ansiedlung der Handlung im 18. Jahhrundert. Für mich hat sich das wie ein Mittelalter-Roman gelesen, mit Räubern, Mägden, Bauern....
Fazit:
Das Ganze ist vor allem ein Wander- und Schelmenroman - als Leser wandert man gern mit den beiden ungleichen Gestalten mit. Irgendwie mal was völlig anderes, aber ganz wunderbar.


0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen