Montag, 7. März 2011

REZENSION: High Times

Autorin:  Uschi Obermaier
Seiten:    217
Verlag:   Heyne




Kurzinhalt:
Uschi Obermaier war DIE Ikone der 60er und 70er Jahre. Bekannt geworden an der Seite von Rainer Langhans als Mitbewohnerin der berühmten Kommune 1, reichte ihr diese Umgebung bald nicht mehr - so sehr diese sich auch von den als "spießbürgerlich" deklarierten Verhältnissen der damaligen Zeit abhob.
Sie zog als Groupie der Rolling Stones durch die Welt, kaufte sich später mit ihrem Lebensgefährten in den 70ern einen Bus, mit dem sie durch Asien und in den 80er Jahren durch Amerika tingelten, war Model, Rauschgiftabhängige, Emanzipierte und doch immer auf der Suche.

Meine Meinung:
Die Zeit der 60er und 70er Jahre hat mich schon immer interessiert und in diesem Zusammenhang das Leben der Kommune 1, die in gewisser Weise als Vorhort der späteren RAF gelten kann - lehnten doch beide die verkrusteten Strukturen der BRD zu dieser Zeit ab - wenn auch auf völlig unterschiedlichen Wegen.

Wenn ich auf einen tieferen Einblick in die Denkmuster der Menschen in diesem Umfeld gehofft habe, so wurde ich aber enttäuscht. Uschi Obermaier war eine Frau, die für sich ein anderes Leben wollte, als es für die Frauen der Zeit "normal" war. Aber nicht aus einem politischen oder intellektuellem Hintergrund (bezeichnet dafür sicher die im Buch beschriebene Tatsache, dass sie während diverser Diskussionen in der Kommune 1 immer einschlief), sondern weil sie - wie in ihrem Buch sehr deutlich wurde - sich wenig mit ihrer eigenen Person auseinandergesetzt hat, sondern sich einfach nur von anderen mitschleifen ließ, stets auf der Suche nach dem nächsten Kick.

Dies spiegelt sich auch in den zahlreichen Fotos im Buch wieder (Bilder der Obermaier von Kleinkind an bis ins Jahr 2006 reichend). So schön, wie sie als Frau ist, sieht sie doch immer gleich aus. Stets die selbe Mimik, keine Entwicklung, die sich im Laufe der Zeit widerspiegelt.


Ihr hübsches Äußeres, dass ihr letztlich dank diverser Modeljobs einen gewissen Lebensstil ermöglichte, sorgte auch dafür, dass sie bei den verschiedensten Männern sehr gut ankam und dies auch zu nutzen wusste. Rainer Langhans, Mick Jacker, Keith Jones, Jimmy Hendrix sind nur einige der Namen auf ihrem Bettpfosten. Monogamie war ihr Ding nicht.

Was sie beschreibt, ist jedoch weniger, was sie mit diesen Männern verband, als die diversen Drogengelage, die sie mit diesen hatte. Ähnliches lässt sich von ihren Reisebschreibungen sagen, die vor allem von ihrer Angst geprägt sind, dass ihre "Vorräte" nicht gefunden werden.
Denn neben sexuellen Ausschweifungen spielten gerade Drogen eine nicht unerhebliche Rolle in ihren titelgebenden "high times".
Man kann sagen, dass sie so ziemlich alles ausprobiert hat, was das Leben ihr zu bieten hatte. Ohne sich je über die Folgen Gedanken zu machen. Je länger man das Buch liest, um so erschreckender wirkt dies, da man sich retrospektiv doch fragt, ob diese exzessiven Ausschweifungen vielleicht dazu geführt haben, dass ihr ein tieferes Nachdenken über all dies nicht mehr möglich ist.

Denn was völlig fehlt, ist soetwas wie eine rückblickende Reflexion. Sicherlich war vieles "normal" für die damalige Zeit. Wenn sie aber vor allem aus Eifersucht (statt moralischer Überlegungen) sich darüber aufregt, dass ihr langjähriger Lebensgefährte sich mit einer 14jährigen beschäftigt hat (die tatsächliche Wortwahl möchte man hier nicht wiedergeben), dann wirkt das mehr als befremdlich.

Nur ganz am Ende des Buches stellt sie mal fest, dass sie sich in ihrem Leben etwas zu sehr auf ihr Aussehen verlassen hat, was spätenstens mit 40 in ihrem Job keine Zukunft mehr haben kann. Also muss sie sich umorientieren. Zumindest beruflich.

Was bleibt, ist die Frage, ob man so eine Frau wirklich beneiden muss?

Fazit:
Reich bebildertes Buch über das Leben der Obermaier, das sich rasant liest, aber über ein oberflächliches Streifen der Zeit nicht hinauskommt. Schade.

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