Mittwoch, 31. August 2011

REZENSION: Höllenknecht

Autor:     Ines Thron
Seiten:    349
Verlag:    rororo





Kurzinhalt:
Mitten im größten Messebetrieb wird im Frankfurt des Jahres 1532 ein menschlicher Arm gefunden. Es dauert nicht lange, bis noch mehr Körperteile in der Stadt verstreut aufgefunden werden. Alle weisen seltsame Bissspuren auf. Sollte ein Menschenfresser in Frankfurt sein Unwesen treiben?
Die Einwohner sind entsetzt und beschuldigen sich bald gegenseitig. Nur die Richtersfrau Hella und ihre Mutter Gustelies stellen bald fest, dass hier noch etwas anderes dahinter steckt. Und dies hat mit einem Buch zu tun, für das manche über Leichen gehen würden.


Meine Meinung:
Ines Thorn stützt sich in ihrem 2. Band der „Verbrechen von Frankfurt“ auf eine wahre Begebenheit. 1605 wurde tatsächlich die zerstückelte Leiche eines Juweliers in Frankfurt gefunden. Das entsprechende Flugblatt dazu ist der Geschichte von Thorn vorangestellt.

Die Geschichte drumherum ist erfunden. Und das leider sehr schlecht. So begeistert ich von Band 1 (und übrigens auch Band 3) der Verbrechen von Frankfurt war, dieser 2. Band ist leider einfach nur lieblos und - wie die Leichenteile - mehr als zerstückelt.
Es mag einfach keine rechte Spannung aufkommen. Denn außer, dass eben hin und wieder ein Körperteil gefunden wird, passiert nichts.
Hella mag auch nicht mehr so recht ermitteln und lieber eine gute Ehefrau sein. Doch dann sieht sie ihren Mann mit einer anderen und zieht für eine Weile aus.
Gustelies verliebt sich in einen Sarrazenen, der in diesem Band zu den entscheidenden Ermittlungsergebnissen beiträgt.

Als hätte sich Thorn nicht mehr getraut, den Frauen das Zepter zu überlassen. Hat sie sich so sehr von den Rezensenten des 1. Bandes verunsichern lassen, die diese toughen Frauen als unrealisitisch empfanden?
Denn war es im ersten Band noch der Klugheit und Gewitztheit der beiden Frauen zu verdanken, dass der Fall gelöst wurde (und das macht den Charme dieser Bände zum größten Teil ja aus), gehen sie in diesem Band eher unter.
Stattdessen erschöpft sich Thorn auf mehreren Seiten darüber, wie Gustelies sich im Spiegel betrachtet und als alt empfindet. Oder wie Hella auf Regen hofft. Als wüsste sie die restlichen Seiten nicht zu füllen. Nebenbei darf man noch die theologischen Dispute von Pater Nau und Bruder Göck verfolgen oder sich das eine oder andere Rezept von Gustelies anlesen.

Da wirken auch die Geschehnisse um das geheimnisvolle Buch, das irgendwann auch noch eine Rolle spielt, mehr als konstruiert.

Und auch wenn man bis zum Schluss hofft, dass alles irgendwie noch einen Sinn und Zusammenhang hat, so wird man enttäuscht. Tatsächlich werden einige Rätsel bis zum Schluss nicht aufgeklärt und das lässt den Leser, der versucht hat mitzuraten, eher frustriert zurück. Ja, man fühlt sich auf eine falsche Fährte gelockt.

Auch auf den titelgebenden „Höllenknecht“ wartet man bis zum Schluss vergebens.


Fazit:
Der Fluch des 2. Bandes? Man kann ihn getrost auslassen und sich gleich dem Dritten zuwenden, der bedeutend besser ist.



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