Dienstag, 5. Februar 2019

REZENSION: Zeiten des Aufbruchs

Titel: Zeiten des Aufbruchs
Autorin: Carmen Korn
Seiten: 608 Seiten
Verlag: Rororo

Kurzinhalt ( Verlagstext):

Wirtschaftswunder, Rock ‘n‘ Roll, Cocktailpartys – der zweite Teil der Jahrhundert-Trilogie
1949: Die vier Freundinnen Henny, Käthe, Ida und Lina stammen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen. Dabei sind sie im Hamburger Stadtteil Uhlenhorst nicht weit voneinander entfernt aufgewachsen. Seit Jahrzehnten schon teilen sie Glück und Unglück miteinander, die kleinen Freuden genauso wie die dunkelsten Momente. 
Hinter ihnen liegen zwei Weltkriege. Hamburg ist zerstört. Doch mit den Fünfzigern beginnt das deutsche Wirtschaftswunder. Endlich geht es aufwärts: Hennys Tochter Marike wird Ärztin, Sohn Klaus bekommt eine Stelle beim Rundfunk. Ganz neue Klänge sind es, die da aus den Radios der jungen Republik schallen. Lina gründet eine Buchhandlung, und auch Ida findet endlich ihre Berufung. Aufbruch überall. Nur wohin der Krieg Käthe verschlagen hat, wissen die Freundinnen noch immer nicht.
Im zweiten Teil ihrer Jahrhundert-Trilogie erzählt Carmen Korn mitreißend von der deutschen Nachkriegszeit, den pastellfarbenen Fünfzigern und der Aufbruchsstimmung der Sechzigerjahre. Vier Frauen. Hundert Jahre Deutschland. 

Meine Meinung:

Der zweite Teil um die 4 Frauen Henny, Käthe, Ida und Lina fing stark an. Der 2. Weltkrieg musste verarbeitet werden, das Trauma wirkte bei einigen Protagonisten lange nach. Ich war sehr berührt, zumal ich mit einigen Informationen konfrontiert wurde, die mir vorher nicht so bewusst waren, etwa dass Rückkehrer oft nicht in ihre eigene Heimatstadt zurück durften.

Jedoch, je weiter sich die Frauen zeitlich davon entfernten, umso weniger schien die Autorin mit der fortlaufenden Historie arbeiten zu können. 
Dabei hätte gerade die Wirtschaftswunderzeit und die nachfolgenden politisch unruhigen 60er Jahre sicher einiges Interessantes zu bieten gehabt.

Doch die Figuren bleiben davon seltsam unberührt. 

Zwar wird da mal ein Fernseher hingestellt und da schaut man sich die Mondlandung an - aber sonst? Der Mauerbau wird zur Randnotiz, vielleicht ist Hamburg auch einfach zu weit weg.

Auch das fortschreitende Alter der Figuren, was theoretisch auch einige Veränderungen mit sich bringen dürfte, scheint kaum eine Rolle zu spielen. Die Jahre plätschern scheinbar spurlos dahin. Aber die Autorin plant ja noch einen 3. Band und will ihre Hauptfiguren bis zur Jahrtausendwende führen.

Mir fehlten auch die Schwingungen im Miteinander, das Buch liest sich, als würde die Zeit einfach keine Rolle mehr spielen, es bleibt irgendwie alles gleich. 
Eltern sterben zwar, die Protagonisten rücken " in die erste Reihe" , wie Henny es an einer Stelle so schön formuliert. Aber werden alle ohne jegliche Zipperlein über 70? Gibt es keine Veränderungen mehr in den Paarkonstellationen, keine größeren Krisen, kein Streit? 

Einzig die Krankheit von Alex zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Aber sonst war ich enttäuscht. Gelebtes Leben ist nicht immer gleichförmig, einspurig, geradlinig. Da war der erste Teil bedeutend ehrlicher.

Fazit:

Leider plätschert der 2. Teil ab den 50er Jahren arg vor sich hin. Hier wurde viel Potential verschenkt. Schade.





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