Mittwoch, 7. Oktober 2020

REZENSION: Die Hölle war der Preis

Mein Laptop geht wieder. Was bin ich erleichtert! 

Ich hoffe, das bleibt so. Offenbar hatte der sich nach einem Update aufgehangen. Warum auch immer.

Dann kann ich Euch endlich über die Schicksale von Frauen berichten, die zu DDR-Zeiten im Frauengefängnis Hoheneck waren und die mich momentan unglaublich bewegen und gedanklich nicht mehr loslassen.

Ausschlaggebend war der Tatsachenroman "Die Hölle war der Preis" von Hera Lind, der mich bereits extrem mitgenommen hat, aber auch nachfolgende Recherchen, die ich in den letzten Tagen angestellt habe, weil mich das Thema nicht mehr losgelassen hat. 

Aber zunächst zum Buch:

Titel: Die Hölle war der Preis

Autorin: Hera Lind

Seiten: 448 Seiten

Verlag: Diana Verlag


Kurzinhalt (Verlagstext):

Gisa Stein, genannt Peasy, wächst in Oranienburg nahe Berlin auf. Ihr Traum ist es, Tänzerin zu werden, und sie schafft es bis an die Staatsoper. Doch hier gerät sie in die Fänge der Stasi. In ihrer Verzweiflung versucht sie mit ihrem Ehemann Edgar, einem rebellischen Architekten, in den Westen zu fliehen. In einer kalten Januarnacht 1974 wird das Paar an der Grenze festgenommen und wegen Republikflucht zu fast vier Jahren Haft verurteilt. Was Gisa dann im Frauenzuchthaus Hoheneck durchmacht, ist die Hölle. Von unzähligen Briefen, die Edgar ihr schreibt, erreicht sie nur ein einziger: Er liebt sie und glaubt die Lügen nicht, die im Gefängnis über sie verbreitet werden. Aber Gisa hat ein Geheimnis. Wie hoch ist der Preis dafür? 

 

Meine Meinung:

Der Kurzinhalt des Verlages gibt bei Weitem nicht die Tragweite und Tiefe des Buches wieder. Minutiös wird der Ablauf von Verhören, die Monate im Untersuchungsgefängnis und schließlich die Jahre in Hoheneck beschrieben.

Was dort an Grausamkeiten, Folter und offenbar auch Medikamentenversuchen geschehen ist, möchte ich am liebsten jedem zugänglich machen, der bis heute behauptet, dass die DDR kein Unrechtsstaat war.

Schon die Beschreibungen der absoluten Einsamkeit und die endlosen Tage des Nichtstuns, an denen die Protagnistin gezwungen war, ohne jegliche Beschäftigung an einem Tisch zu sitzen, sind schwer auszuhalten.

Aber dabei bleibt es nicht. Dies war nur Teil der perfiden Methoden der Stasi. Es scheint, als hätten die Insassinnen jegliches Menschenrecht mit ihrem Wunsch nach Freiheit verloren.

Man mag kaum glauben, dass es wiederum ebenfalls Menschen waren, die ihnen das angetan haben. Wie Peasy oft denkt: Die Zuhause eine Familie haben, Kinder, einen Hund, mit dem sie abends Gassi gehen.

Aber als "politischer Häftling" war man zudem den Schikanen der anderen Kriminellen ausgesetzt. Der Mörderinnen, Betrügerinnen, Sadistinnen. Zu denen "die Politischen" genau aus dem Grund extra gesperrt wurden. 

Immer wieder der Gedanke beim Lesen: Was tun sich Menschen nur gegenseitig an!

Selbst die Autorin musste zwischenzeitlich "Kindheitserinnerungen" der Protagonistin zwischen einzelne Kapitel fügen, weil sie davon ausgegangen ist, dass das Buch sonst nicht für die LeserInnen zu ertragen wäre.

Aber die Wahrheit muss immer gesagt werden. Und auch ertragen. Auch wenn sie kaum auszuhalten ist.

 

Fazit:

Mich hat das alles unglaublich bewegt, so dass ich diesbezüglich noch weiter recherchiert habe undes noch weiterhin tue. Wen es interessiert, dem sei der folgende Bericht ans Herz gelegt. 

Zudem habe ich mir einen weiteren Erfahrungsbericht einer Insassin besorgt (Wo sind die Toten von Hoheneck? Neue Enthüllungen über das berüchtigte Frauenzuchthaus der DDR - LINK zu AMAZON). 

Allerdings brauche ich jetzt erst einmal eine Pause von all den Grausamkeiten, die im Prinzip "gleich nebenan" von mir geschehen sind - und auch mein Schicksal hätten werden können.




Kommentare:

  1. Gott sei Dank geht dein Laptop wieder! Ich hatte das auch schon mal nach einem Update, dass ich nicht mehr ins Internet konnte. Es wurden beim Update wichtige angeklickte Punkte einfach gelöscht!

    Eigentlich lese ich von hera Lind nichts mehr, aber ihre Tatsachenromane dürften sehr gut sein. Zu diesem Buch habe ich schon viele bewegende Rezensionen gelesen und wenn es mal wieder in meiner Bücherei vorrätig ist, werde ich es mir mitnehmen.
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. @ Martina

      Hol es Dir unbedingt. Absolutes must-read. Bin schon sehr auf Deine Rezi gespannt.

      Ansonsten bin ich auch echt erleichtert, was meinen Laptop angeht. Gerade, weil er doch recht neu ist. Aber schon unglaublich, was so ein Update verursachen kann, oder?

      Liebe Grüße.

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  2. PS: Die Tasachenromane von Hera Lind sind alle großartig. Momentan lese ich einen nach dem anderen und es sind alles echte Pageturner.
    Warum mochtest Du sie nicht mehr? Wegen ihrer sonst eher seichten Thematik?

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