Samstag, 10. Oktober 2020

Herbstlesen #3 - Samstag, 10. Oktober 2020

9.00 Uhr: Guten Morgen, liebe Herbstleserinnen. Da ich nun während meines Urlaubes definitiv Zuhause bleibe, habe ich jetzt meine persönlichen Verwöhnwochen ausgerufen, jawohl (Dank an die unglaublich positive und energetische Katja D. für diese wundervolle Inspiration - und dass Du einfach so in mein Leben gepurzelt bist und es Dir zur verrückten Aufgabe gemacht hast, diesem einen neuen Anstrich zu verleihen).

Ich bin gestern bereits damit gestartet, dass ich die Obstabteilung bei LIDL geplündert habe und mich jetzt mit kiloweise Vitaminen pimpe. Das sind meine ersten Clementinen in diesem Jahr. Völlig verrückt bin ich im Moment auch nach diesen Ingwer-Shots, auch wenn mein Magen mich jedes Mal fragt, ob ich noch alle auf der Pfanne habe, wenn die bei ihm ankommen. Aber die sind einfach zu lecker. Und schmecken einfach nur gesund.

Mittlerweile ist es immerhin auch kühler geworden und in dieser Woche habe ich zum ersten Mal wieder die Jeans aus dem Schrank gekramt.

Aber Berlin ist im Herbst durchaus schön und das stelle ich besonders fest, seit ich wieder mit dem Zeichnen angefangen habe - das hatte ich mir für die Herbstzeit ja vorgenommen. 

Ich schaue ganz anders hin, als wenn man z.B. einfach ein Foto schießt. Sehr viel länger, sehr viel genauer, wobei mich vor allem der Kontrast zwischen alten und neuen Gebäuden in der Stadt fasziniert. Hier zwei meiner Zeichnungen (und ihr Entstehen) aus der letzten Woche:

Checkpoint Charlie

Bodemuseum mit Fernsehturm im Hintergrund (noch nicht fertig)

Nachdem ich jeute Morgen "Was uns erinnern lässt" (LINK zu AMAZON) zuende gehört habe, werde ich mich jetzt wieder in eine der spannenden Tatsachenromane von Hera Lind vertiefen. Auch mit denen kann ich reisen. Literarisch sozusagen. 

Nach den Schreckensberichten aus der ehemaligen DDR befinde ich mich jetzt mit "Tausendundein Tag" (LINK zu AMAZON) im Orient. 

Wobei es dort (man ahnt es schon) auch zu Katastrophen kommt.

Kurzinhalt: (Verlagstext):

Nach einem hervorragenden Abitur könnte Katharina von Schenck studieren, stattdessen heiratet sie ihre große Liebe Falk. Der viel ältere Pilot nimmt sie mit auf Reisen und legt ihr den Himmel zu Füßen, bis er mutwillig alles zerstört. Umso mehr stürzt sich Katharina später in ihre Liebe zu Bernd und folgt ihm bedingungslos in den Iran, wo er als Bauingenieur arbeitet. Aber Chomeinis Glaubenswächtern ist sie ein Dorn im Auge: Als die couragierte Katharina sich für eine Dreizehnjährige einsetzt, die zwangsverheiratet werden soll, hat das für sie folgenschwere Konsequenzen ...

 Meist verliere ich mich so in diesen unglaublichen Schicksalen, dass ich wenig Lust habe, für meine Klausur zu lernen. Na, mal schauen, was der Tag so bringt.

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11.00 Uhr: Nachdem ich den letzten Post geschrieben habe, dachte ich: warum nur literarisch reisen, das geht auch kulinarisch. 

Da mich gestern auf Instagram ein Foto von gebackenen Apfelringen (Apfelküchle) angesprungen hat, habe ich mich heute Morgen daran zum Frühstück versucht. Immerhin sind Verwöhnwochen. 


 *lach* Ich zeige Euch jetzt nicht, wie das Bild auf Instagram aussah. Meine weichen definitiv davon ab und irgendwo im Süddeutschen höre ich jetzt schon jemanden laut lachen. Aber egal, lecker waren sie trotzdem. Und ich habe mal wieder was neues probiert.

Währenddessen habe ich der "Der Wunschpunsch" (LINK zu AMAZON) von Michael Ende gehört, dass ich seit meiner Jugend schon mehrfach gelesen habe und es nun in einer gelesenen Fassung mit Christoph Maria Herbst gibt. Grund genug für mich, mir die Geschichte noch einmal über die Öhrchen zu stülpen. 

Wobei ich immer wieder feststelle, je häufiger ich mich mit dieser Geschichte und all ihren Feinheiten auseinandersetze, dass Ende die definitiv mehr für Erwachsene als für Kinder geschrieben hat. Darin finden sich so viele pessimisitische Seitenhiebe auf unsere Welt, so viele Anspielungen, die einem erst beim mehrfachen Lesen/Hören bewusst werden (etwa die auf den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der hier als "Büchernörgele" einen Platz bekommt: "ein besonders scheußliches kleines Monster, […] im Volksmund auch Klugscheißerchen oder Korinthenkackerli genannt. Diese kleinen Geister verbringen normalerweise ihr Dasein damit, dass sie an Büchern herumnörgeln").

Ich fand die Version von Christoph Maria Herbst erst etwas "drüber", stark übertrieben in den Stimmen und etwas anstrengend, aber mit der Zeit groovt er sich ein. Oder man gewöhnt sich dran. Jedenfalls habe ich auch nach dem Frühstück noch weitergehört und mal meine Sommersachen aus dem Schrank geholt. Es wird Zeit, wieder die dickeren Sachen aus dem Keller zu holen, wobei ich bestimmt auch wieder das eine oder andere finde, was ich noch entsorgen kann, schließlich will ich in diesem Jahr noch auf 1000 ausgemistete Dinge kommen.

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19.00 Uhr: Danke, für Eure lieben, aufmunternden Kommentare zu meinen krummen Apfelküchle. 😁

Mittags habe ich dann aber doch lieber andere den Kochlöffel für mich schwingen lassen und mir ganz dekadent Essen bestellt. Aber es sind ja Verwöhnwochen und in meinem Buch von Hera Lind war gerade von so vielen orientalischen Leckereien die Rede. 

Einen Orientalen haben wir zwar nicht in der Nähe. Aber letzten Samstag war ich ja mit einer Freundin bei einem neuen leckeren Vitnamesen. Und der war so köstlich, dass ich mir da heute f ür das orientalische Feeling diverse Vorspeisen zum Mitnehmen geholt habe. Zum draußen sitzen ist es mittlerweile zu kalt.

Und da mir meine Süßkartoffel-Pommes mit Trüffeldip letztes Mal einfach von meiner Begleitung weggemümmelt worden sind (sozusagen Mundraub), habe ich mir heute nochmal eine Portion gegönnt sowie leckere Sommerrollen (und dazu ein wenig WEIßENSEE geschaut, so ganz lässt mich das DDR-Thema noch nicht los.).  Den Glasnudelsalat und die Suppe gibt es morgen.

Und da ich schonmal vor Ort war (also nicht in Weißensee, sondern beim Vitnamesen einige Straßen weiter), habe ich auch gleich noch einen Herbst-Spaziergang über einen Friedhof gemacht, den wir letzte Woche neu entdeckt haben (obwohl wir beide schon um die 20 Jahre in der Gegend wohnen. Wir führten diesbezüglich ein sehr spezielles Gespräch. O-Ton meine Freundin: "Den Park (durch den uns GOOGLE-Maps gerade führte) kannte ich noch gar nicht." Ich: "Das ist ein Friedhof.") 

Tatsächlich ein sehr unkonventioneller Friedhof, den man wirklich mit einem Park verwechseln kann und auf den ich in nächster Zeit noch häufiger sein werde. Ich finde Friedhöfe unglaublich kontemplativ und dieser ist so ganz anders: Mit vielen Fotos, überhaupt nicht preußisch-gerade angeordnet und irgendwie sehr beruhigend. Und gerade jetzt im Herbst wunderschön.

Besonders süß fand ich ja die Eichhörnchen-Treppe am Wasserbecken, die verhindern soll, dass die roten Nager da im Eifer des Gefechts reinfallen.

Mittlerweile habe ich "Tausendundein Tag" (LINK zu AMAZON) ausgelesen und muss die Geschichte erst einmal sacken lassen. Manche Menschen haben bei der Verteilung der Schicksalsschläge wirklich extrem oft "HIER!" gerufen. Das erleben andere in ihrem ganzen Leben nicht.

Jetzt kommt gleich eine neue Folge der "Katzen-Kita" auf VOX, die mich hoffentlich erst einmal ein wenig herunter holen wird und dann gibt es ab heute endlich die 3. Staffel von BABYLON BERLIN (LINK zu AMAZON) in der ARD-Mediathek, mit der ich nachher sicher versumpfen werde. 

Also, falls Ihr heute nichts mehr von mir hören werdet, ich befinde mich im Berlin der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Ich hoffe, Ihr macht es Euch auch schön.

Bis morgen,



Kommentare:

  1. Ich persönlich finde ja "Verwöhnwochenenden" deutlich erholsamer als "Reisewochenenden" - schon allein deshalb, weil die Reisezeit wegfällt. ;) Auch wenn ich gut verstehen kann, dass du dir das Wochenende anders vorgestellt hast und eine fremde Umgebung dem Lernen vielleicht gut getan hätte, ist es doch schön zu sehen, dass du das Beste aus der Situation machst!

    Ich drücke die Daumen, dass du sowohl Pflicht, als auch Vergnügen stressfrei auf die Reihe bekommst und ein schönes Wochenende erlebst. :)

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    1. @ Konstanze

      Ja, ich stelle auch fest, dass ich gar nicht böse bin, Zuhause zu bleiben. Zumal mich auch schon einige Freundinnen für Tagesausflüge jetzt eingeladen haben. Ich mache einfach das Beste draus. Und sich selbst verwöhnen ist etwas, was ich definitiv mehr ausbauen sollte. Momentan zelebriere ich das richtig.

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    2. Das Beste darauf machen klingt nach einem sehr guten Plan! Und die Apfelküchlein sehen fantastisch aus! Genauso müssen sie meiner Meinung nach sein - zumindest sahen sie so immer auf dem Mittelaltermarkt aus und das waren die besten, die ich je gegessen habe! :)

      C.M. Herbst finde ich oft etwas "drüber", ich hatte früher mal eine Version, die - wenn ich mich recht erinnere - von Michael Ende selbst gelesen wurde, die war sehr cool! Und ja, Ende ist weniger "Kinderbuchautor" als jemand, der für alle Altersgruppen etwas schreibt, so dass man immer wieder andere Facetten an seinen Werken entdecken kann.

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    3. @ Konstanze

      Wow, von Michael Ende selbst? Das ist ja ein richtiger Schatz. Ob man die Version noch irgendwo bekommt?

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    4. Ich weiß nicht, ob du einen Audible-Account hast, aber da gibt es zum Beispiel die von Michael Ende gesprochene Wunschpunsch-Version für ein halbes Guthaben.

      Die Fotos vom Friedhof sind wirklich hübsch! So ein Eckchen findet man viel zu selten in der Stadt - schön, dass du dort eine kleine Zuflucht hast, die du recht gut erreichen kannst. Dein Essen sieht auch köstlich aus, da könnte ich fast neidisch werden, bei uns gibt es erst in zehn Tagen wieder Lieferessen. *g*

      Hab viel Spaß im Moloch Berlin und erhol dich heute Abend noch gut! :)

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    5. @ Konstanze

      Nein, ich höre meine Hörbücher über Nextory. Aber ich schaue mal in der Bibliothek. Bücher, die vom Autor selber gelesen werden, haben noch einmal einen ganz anderen Zauber.

      Und ganz lieben Dank für Deine aufmunternden Worte zu meinen Apfelküchle. Du hast recht: Hauptsache lecker. Sch... auf die Optik. *lach*

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  2. Persönliche Verwöhnwochen klingen nach einem guten Plan, auch wenn es nur Plan B ist!
    Die Zeichnungen schauen super aus; soviel Geduld für kleine Details. :-)

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    1. @ Neyasha

      Lieben Dank. Das ist das erste Mal, dass ich die so öffentlich zeige. Ich verliere mich gern in diesen kleinen Details, brauche aber auch entsprechend lange für eine Zeichnung. Ich bin immer wieder sehr erstaunt über andere "urban sketcher", die Skizzen in 10 Minuten hinlegen und man erkennt trotzdem, was es ist. Aber ich denke, gerade diese alten Häuser haben mehr Detailverliebtheit verdient.

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  3. Verwöhnwochen klingen perfekt und ich finde, Deine Apfelküchlein sehen lecker aus! Ich will sie auch irgendwann mal ausprobieren. :)
    Ich finde auch, Ende hat Kinder/Jugendbücher geschrieben, die "mitwachsen" und aus denen mit zunehmenden Alter mehr mitgenommen werden kann.

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    1. @ Natira

      Das ist ein schöner Gedanke mit dem "mitwachsen". Vielleicht sollte ich genau unter dem Aspekt seine anderen Bücher auch noch einmal lesen/hören.

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  4. Oh, irgendwie hat es meinen Kommentar verschluckt. Ich hatte geschrieben, dass ich mir den Wunschpunsch vielleicht auch mal als Hörbuch anhöre, wenn Christoph Maria Herbst es liest. Ich kann mich kaum an das Buch erinnern

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    1. @ Anette

      Bin mal gespannt, wie gut Dir die Version gefällt. Ich finde seine Stimmen-Versionen des Raben und der Hexe etwas anstrengend.

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    2. Bin gespannt, hab ewig nichts von Michael Ende gelesen - oder gehört. Muss unbedingt mal einen Die unendliche Geschichte-Reread starten, der letzte ist glaube ich über 20 Jahre her.

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    3. @ Anette

      Vielleicht können wir ja eine Michael-Ende-Aktion starten? Mich lachen auch gerade noch Momo, Jim Knopf und natürlich Die unendliche Geschichte an.

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    4. Wäre im neuen Jahr drin :-) November bin ich zum Wälzerlesen(Michener, für seine Bücher brauche immer den ganzen Monat) verabredet und im Dezember will ich noch möglichst viel SuB abbauen :-)

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    5. @ Anette

      Immer dieser Freizeitstress. ;))

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  5. Ohhhh, der Wunschpunsch! Den könnte ich dieses Jahr mal wieder zu Silvester lesen.

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    1. @ Neyasha

      Stimmt, eigentlich ist das eher ein Silvester-Buch. Naja, ich bin oft etwas anti-zyklisch unterwegs.

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    2. Ach, ich kenn da ja nix, ich hab auch schon Weihnachtsbücher im Sommer gelesen. Aber manchmal finde ich es auch total nett, wenn ich Bücher habe, die zur Jahreszeit passen.
      Die Friedhofsfotos finde ich übrigens sehr schön! Ich bin auch gerne auf parkähnlichen Friedhöfen unterwegs und empfehle so ziemlich allen Wientouristen einen Besuch auf dem Zentralfriedhof.

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    3. @ Neyasha

      Oh, der muss wunderschön sein in Wien. Ich versuche auch oft, wenn ich unterwegs bin, mir andere Friedhöfe anzusehen. Man merkt dann auch oft regionale Unterschiede. Besonders schön finde ich ja die in Schottland und Irland mit den alten gälischen Kreuzen.

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    4. Ja, Friedhöfe sind oft sehr spannend und jetzt, da du das schreibst, fällt mir erst auf, dass wir letztes Jahr in Schottland auf keinem einzigen waren. Beim Zentralfriedhof mag ich besonders den alten, jüdischen Teil.

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  6. Ja, das kenne ich auch mit dem anders hingucken. Ich zeichne zwar nicht aber male gern in Malbüchern. Oh Gott, hört sich das bescheuert an. Naja, was ich sagen wollte ist, dass ich verusche mir schöne natürlich Farbkombinationen zu merken, die ich sehe, um sie dann später auf Papier umzusetzen.
    Deine Apfelringe sehen lecker aus.

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    1. @ 78sunny

      Das hört sich gar nicht bescheuert an. Ausmalen mache ich auch sehr gern und finde es unglaublich entspannend. Dabei höre ich dann gern Hörbücher oder Podcasts.

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  7. Verwöhnwochen, Apfelringe und Wunschpunsch - klingt alles phantastisch! Ich könnte auch mal wieder Urlaub gebrauchen *seufz*

    Viel Spaß noch beim Lesen heute :-)

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    1. @ Kiya

      Lieben Dank. Wann hast Du denn wieder Urlaub?

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    2. Ich wurde gerade erst endgültig übernommen und habe insofern nur noch die anteiligten Kleckertage für das letzte Quartal. Das werden immer nur so verlängerte Wochenenden werden, kein langer Urlaub - leider. Aber es gibt ja auch ein nächstes Jahr :-)

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    3. @ Kiya

      Tröste Dich, dieses Jahr ist eh alles anders und das mit dem Verreisen auch gerade nicht so einfach, wie man ja sehr schön bei mir sieht.

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  8. Zuletzt war ich in Frankfurt auf einem größeren und grünen Friedhof unterwegs und habe dabei ein Handy gefunden, das ich dann in der Verwaltung abgegeben habe; es lag auf einem Grabstein. Keine Ahnung, ob es je abgeholt wurde.

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    1. @ Natira

      Ich habe gleich lustige Geschichten im Kopf, wie dieses Handy auf den Grabstein gekommen ist. (*prust*)

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