Freitag, 29. April 2016

REZENSION: Musstu wissen, weißdu!

Titel: Musstu wissen, weißdu!: Neues aus den Niederungen deutscher Klassenzimmer 
Autor: Stephan Serin
Verlag: rororo
Seiten: 256

(gelesen via SKOOBE - Mit dem Code MGMEAWPMM könnt Ihr 30 Tage kostenlos testen)



Kurzinhalt (Verlagstext):

ALLEIN UNTER SCHÜLERN
«Ey, bei neue Lehrer muss man ruhisch sein. Musstu wissen, weißdu!»
«Ey, dis is strenger Lehrer.»
«Ruhe. Der is sonst traurisch.»
«Ey, wie heißen Sie noch mal?» 


Mit großer Selbstironie erzählt Stephan Serin von seinen absurden Erlebnissen aus dem Katastrophengebiet Schule: abenteuerliche Spickversuche, bemerkenswerte Entschuldigungen, unvergessene Wandertage oder der nervenaufreibende Versuch, die eigene Autorität zu wahren, geben genügend Anlass zu kuriosen Geschichten.
Der ganz normale Alltag eines unerschrockenen Lehrers – witzig und intelligent!


Meine Meinung:

Stephan Serin sucht seit einigen Jahren eine Festanstellung als Lehrer und hangelt sich mit den Fächern Französisch und Geschichte von Vertretungsschule zu Vertretungsschule.

Das allein ist schon deprimierend. Wenn er dann anfängt, im Politikunterricht mit seinen Schülern HARTZ IV-Anträge auszufüllen, wird es nicht wirklich amüsanter, da er stets im Hinterkopf hat, dass dies auch ihn bald wieder treffen kann.

So ist Musstu wissen, weißdu!: Neues aus den Niederungen deutscher Klassenzimmer vor allem ein Zustandsbericht unseres Bildungssystems, das Lehrer vor den Sommerferien entlässt, um sie nach den Sommerferien wieder einzustellen - und so Gehalt zu sparen.
Und darüber hinaus deren Arbeitskraft und Nerven wirklich auszubeuten, aber gleichzeitig Höchstleistungen von ihnen erwartet.

Und es ist ein Buch von offenbar seeeehr viel Optimismus, wenn man über die persönliche Situation hinaus sich dann im Berufsalltag noch mit Privatschulleitern herumschlagen muss, die die Anweisung erteilen, dass keine schlechtere Note als "3" vergeben werden darf, oder Eltern, die der Meinung sind, das eigene Kind hätte den Lehrer ja wohl nur "aus Versehen" angespuckt.

Stephan Serin versucht dies alles in Humor zu verpacken, was ihm angesichts der ernsten Thematik jedoch nicht wirklich gelingt. Mich hat das Buch eher deprimiert.

Im Gegensatz zu den Büchern von Frau Freitag fehlte mir in Serins Erzählungen auch der warme Blick auf die Schüler, den er so jedoch auch gar nicht haben kann, wenn er immer nur wenige Monate auf einer Stelle verbleibt.

Dass seine Freundin ihn aufgrund seiner stressigen Gesamtsituation auch noch für einen Arzt verlässt und ihn eher als "Prekariat" ansieht, macht das Ganze nicht unterhaltsamer.

Fazit:

Eher deprimierender Blick auf den Berufsalltag einen Lehrers, der sich nicht nur mit Schülern und Eltern, sondern auch mit völlig verdrehten Einstellungsanforderungen und Chefs sowie wenig hilfreichen Mitmenschen herumschlagen muss. Wahrscheinlich bleibt einem da nur als einziger Ausweg, ein Buch zu schreiben, um nicht völlig den Verstand zu verlieren.


Donnerstag, 7. April 2016

REZENSION: Schweinskopf al dente (Hörbuch)


Titel: Schweinskopf al dente 
Autorin: Rita Falk
Länge: 4 CDs, 304min.
Sprecher: Christian Tramitz 


Kurzinhalt (Verlagstext):

Was für eine Sauerei! Als Richter Moratschek zu Bett gehen will, findet er dort statt seiner Schlafmütze einen blutigen Schweinskopf. Schnell steht fest: Der 'Don Corleone' von Niederkaltenkirchen kann nur Dr. Küstner sein, der von Moratschek wegen Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde und sich nun rächen will. Kommissar Franz Eberhofer würde lieber Omas Schweinebraten genießen, muss sich aber auf die Spur des gefährlichen 'Paten' begeben, die ihn bis nach Italien führt.
Der dritte Fall für den Eberhofer Franzl – Regionalkrimi-Kult gelesen von Star-Sprecher Christian Tramitz.


Meine Meinung:

Nachdem ich von "Dampfnudel-Blues" so begeistert war, musste gleich der Nachfolger her und es war wie ein Wiedersehen (eher "Hören", da Hörbuch) mit all den schon so schnell liebgewonnen Figuren.

Sofort war man wieder drin in dieser dörflichen Atmosphäre mit all ihren skurilen Einwohnern, die regelrecht süchtig macht.

Diesmal hatte ich auch nicht so stark, wie im Vorgänger, das Gefühl, dass sich die Handlung gelegentlich in Nebenhandlungen verliert - oder ich habe mich mittlerweile dran gewöhnt.

Tatsächlich ist der Fall diesmal auch sehr viel stärker mit Eberhofers Privatleben verknüpft, da der Richter Moratschek vor lauten Angst vor seinem Verfolger beim Vater von Eberhofer einzieht - und damit in die 3-Generationen-WG mit Oma und Kommissar.

Auf die Art bekommt man noch sehr viel mehr vom Leben und Alltag der Menschen in Niederkaltenkirchen, der oft einfach nur herrlich bekloppt ist.

Der Kriminalfall als solcher ist zwar nicht so komplex und spannend wie der vorhergehende. Aber das steht bei Rita Falk eigentlich auch nicht im Vordergrund.

 

Fazit:

Willkommen zurück in der Provinz! Ich liebe diese Reihe! Her mit dem nächsten Teil!


Montag, 4. April 2016

REZENSION: Dampfnudel-Blues (Hörbuch)



Titel: Dampfnudelblues: Ein Provinzkrimi 
Autorin: Rita Falk
Länge: 4 CDs, 319 min.

Sprecher: Christian Tramitz

HÖRPROBE (klick)


Kurzinhalt:

Kommissar Franz Eberhofer ist genervt. Wieso muss das Telefon ausgerechnet dann klingeln, wenn Oma ihre köstlichen Frühstückseier mit Speck aufgetischt hat? Doch Dienst ist Dienst und so muss sich der grummelige Kommissar wieder einem kniffligen Fall in seinem Heimatort Niederkaltenkirchen widmen. Diesmal ist der Rektor der örtlichen Schule von einem Zug erfasst worden. Eberhofer glaubt nicht an Selbstmord und bald schon stehen 38 Tatverdächtige auf seiner Liste.
Nach "Winterkartoffelknödel" die Fortsetzung der Regionalkrimi-Reihe um Franz Eberhofer - launig und facettenreich gelesen von Star-Sprecher Christian Tramitz.



Meine Meinung:

Ich bin eigentlich nicht so ein Fan von Krimis, die in irgendwelchen Örtlichkeiten spielen, die ich nicht kenne. Meist ist der Humor eher für Insider, man muss sich in der Gegend auskennen, die "Sprache" verstehen.

Bayern ist für uns Preußen ja gaaaanz weit weg. Und so gut wie gar nicht zu verstehen. Insofern habe ich um die Bücher von Rita Falk bisher einen Bogen gemacht.

Dann lief Dampfnudelblues: Ein Provinzkrimi im Fernsehen. Und ich habe mich königlich amüsiert, weil es so eine ganz andere Art Krimi war, als ich mir vorgestellt hatte.

Der Kommissar (Eberhofer) ist so herrlich schräg und unkonventionell und so ganz anders, als ich mir Bayern im Allgemeinen vorstelle (sorry, liebe Bayern, ich will hier niemandem auf den Schlips treten!), dass ich mich auch als Preußin da wiederfinden konnte.

Meine Lieblingsstelle (ACHTUNG, kleiner Spoiler) war sofort, als sich zwei Dorfbewohner um ein Außenthermometer streiten und Eberhofer es einfach kaputt schießt - Sache erledigt.
Ein wenig war ich an die verrückten Figuren in der Serie "Mord mit Aussicht" erinnert, die ich auch sehr liebe.

Also besorgte ich mir das Hörbuch, wunderbar gelesen von Christian Tramitz (u.a. bekannt aus der "Bullyparade"). Mit bayrischem Einschlag, aber so, dass auch alle Nicht-Bayern es noch verstehen können. Einfach herrlich, denn einfach nur passend, wenn Eberhofer mal wieder vor sich hingrummelt, weil er vom Essen abgehalten wird, oder die einzelnen Bewohner grundsätzlich erst mit Nachnamen und dann Vornamen angesprochen werden (etwa: der Simmerl Max).

Aber auch die ewig schreiende (da taube) Oma, den kiffenden Vater und die Nichte (S)Uschi (ich liebe dieses Namensspiel!) schließt man sofort in sein Herz.

Das Ganze ist so eine verrückte Provinzkomödie, dass der eigentliche Kriminalfall etwas in den Hintergrund rückt. Aber das hat mir sehr gut gefallen. Auch wenn ich manchmal etwas Schwierigkeiten hatte, die ganzen Nebenhandlungen (die nichts mit dem Kriminalfall zu tun haben) von der Hauptstory zu trennen. Da kam es mir zu Hilfe, dass ich den Film vorher gesehen hatte.

Aber wenn man mehrere Eberhofer-Krimis gehört hat, gewöhnt man sich daran, dass das Dorfleben rundherum einen großen Teil der Geschichten von Rita Falk ausmacht und eben auch deren Charme.

Dass  Dampfnudelblues: Ein Provinzkrimi dabei schon der zweite Teil aus der "Eberhofer-Reihe ist, macht nicht soviel aus, ich denke, man kann die auch ganz gut unabhängig voneinander hören, auch wenn es schon eine gewisse Reihenfolge und Entwicklung innerhalb der Figuren gibt.


Fazit:

Herrlich skurile Dorfgeschichten aus der bayrischen Provinz, die man auch nur lieben kann, wenn man sehr viel weiter nördlich wohnt.



Samstag, 2. April 2016

REZENSION: Natascha Kampusch - 3096 Tage (Hörbuch)

Titel: 3096 Tage
Autorin: Natascha Kampusch
Länge: 4 CDs, 292 min. 
Sprecherin: Elisabeth Schwarz


HÖRPROBE (klick)

Kurzinhalt (Verlagstext):

"Ich fühle mich nun stark genug, die ganze Geschichte meiner Entführung zu erzählen."
Natascha Kampusch erlitt das schrecklichste Schicksal, das einem Kind zustoßen kann: Am 2. März 1998 wurde sie im Alter von zehn Jahren auf dem Schulweg entführt. Ihr Peiniger, der Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil, hielt sie in einem Kellerverlies gefangen - 3096 Tage lang.
Am 23. August 2006 gelang ihr aus eigener Kraft die Flucht. Priklopil nahm sich noch am selben Tag das Leben. Jetzt spricht Natascha Kampusch zum ersten Mal offen über die Entführung, die Zeit der Gefangenschaft, ihre Beziehung zum Täter und darüber, wie es ihr gelang, der Hölle zu entkommen.


Meine Meinung:

Das Hörbuch lag wirklich lange bei mir herum, weil ich mich immer fragte: Fühle ich mich stark genug, um eine solche Geschichte wirklich anzuhören?

Ja, man schafft das. Und man sollte das!
Um mit einem unglaublichen Respekt vor der Stärke dieser Frau zu enden.

Die Geschichte als solche ist bekannt und lange genug durch die Presse gezogen worden. Auch ich habe mich vor allem nach Anhören des Hörbuches noch einmal ausführlich mit dem "Fall Kampusch" beschäftigt und war entsetzt, was vor allem NACH der Zeit der Gefangenschaft über diese junge Frau hereingebrochen ist, die nun wahrlich schon genug gelitten hat.

Da wurde darüber spekuliert, warum sie nicht schon früher geflüchtet ist oder sich irgendwie bemerkbar gemacht hat. Da wurde ihr eine regelrechte Liebesbeziehung zum Entführer angedichtet, gar ein vermeintliches Kind, was in Gefangenschaft geboren worden ist usw.

Ihr eigener Vater hat im Nachhein ein Buch veröffentlicht, in dem er "seine Sicht" der Dinge darstellt, die stark von Nataschas abweichen, ja in dem er behauptet, sie wäre freiwillig dort gewesen.

Und man fragt sich immer nur: Warum tun Menschen soetwas einer ohnehin geschundenen Seele an? Zudem noch Menschn aus ihrem nächsten Umfeld?

Diese Frau ist als Zehnjährige (!) von einem Erwachsenen entführt worden, der für die nächsten 8 Jahre ihre einzige Bezugsperson war. Der sie gebrochen, gequält und gedemütigt hat.

Sie beschreibt, wie er sie mit Essenentzug und Todesdrohungen gefügig machte und wie das Gefängnis auch immer mehr in ihrem Kopf entstand, dass sie nicht einfach so fliehen lassen konnte.
Immerhin hat sie die prägendsten Jahre, der Zeit des Heranwachsens, der Pubertät in der Gefangenschaft bei Priklopil verbracht.

Natürlich baut sie dann auch irgendeine Form von Beziehung zu ihm auf - einfach um zu überleben! Wer will da wirklich darüber urteilen, WELCHE ART Beziehung das war?

Viel wurde auch spekuliert, nachdem die Verfilmung zum Buch (3096 Tage ) erschien und darin auch sexueller Missbrauch gezeigt wurde, der im Buch überhaupt nicht vorkommt.

Ich kann Natascha Kampusch verstehen, dass sie sich zumindest dieses letzte Stück Würde noch bewahren wollte, in dem sie eben nicht darüber schreibt.

Dass es dennoch durch die Verfilmung dann an die Öffentlichkeit geriet, konnten ihre Anwälte nicht mehr stoppen, ist aber einmal mehr Beweis dafür, dass auch nach ihrer Gefangenschaft ihre Persönlichkeitsrechte mit Füßen getreten werden und sie nie ein normales Leben wird führen können.


Fazit:

Ich kann nur eine unglaubliche Bewunderung für diese starke, junge Frau aussprechen, die all dies überlebt hat. Und noch immer tut.






Donnerstag, 31. März 2016

REZENSION: Frankenstein (Hörbuch)

https://www.pinkmelon.de/forum/images/smilies/Vala_26.gifDa ich mich wie die Winterkatze übelst erkältet habe (und das natürlich wieder in meinem Urlaub, yipiiieeh), war es auch bei mir eine Weile still (im wahrsten Sinne des Wortes, hat sich alles schön auf die Stimmbänder gelegt).

Und obwohl ich die letzten Tage am Mittelmeer in der Sonne verbracht habe, war ich zum Lesen viel zu schlapp, dafür hatte ich aber viel Zeit zum Hörbuchhören und will endlich mal wieder für Arianas Challenge rezensieren.


Titel: Frankenstein  
Autorin: Mary Shelley

Länge: 2 CDs, 128 min.

Sprecherin: Katharina Thalbach


Kurzinhalt (Verlagstext):

Eine Tragödie von erstaunlicher Aktualität:
Der junge Wissenschaftler Victor Frankenstein ist von der Idee besessen, einen künstlichen Menschen zu erschaffen. Mit seinen Experimenten ignoriert er die Gesetze der Natur. Doch als er Erfolg hat, wendet er sich mit Schrecken von dem Monster ab, das er selbst ins Leben gerufen hat. Katharina Thalbach spricht mit einer grandiosen Mischung aus ehrlichem Entsetzen und zärtlicher Anteilnahme, die es braucht, um diese Geschichte richtig zu erzählen. Ihr Mitgefühl gilt dem Monster, das seinem Schöpfer klagt: "Bin ich nicht jämmerlich allein?"

Meine Meinung:

"Frankenstein" erschien Anfang des 19. Jahrhunderts und wurde - im Gegensatz zu vielen anderen "Gothic novels" der Zeit - von einer Frau verfasst.
Das hatte ich immer wieder im Hinterkopf, während mir Katharina Thalbach all die ekligen Details vortrug, wie der Victor Frankenstein "zusammenbastelt".

Aber die Erschaffung des "Monsters" ist nur ein Teil der Geschichte. Ein anderer ist, dass Frankenstein durch sein Aussehen zu einem Leben als Aussätziger verdammt ist und sich damit unglaublich allein fühlt.
Und daher nur einen Wunsch hat: Den nach einer Partnerin.

Insofern wechselt das Hörbuch auch die Erzählperspektive, was ich nicht sofort mitbekommen habe und insofern eine CD nochmal hören musste.
Wird zunächst alles aus der Sicht Victors erzählt, ist es irgendwann Frankenstein, der berichtet, wie es war, als er aufeinmal erachte, alles neu lernen musste und begriff, dass die Menschen Angst vor ihm haben.

Erst jetzt bekommt er eine unglaubliche Wut auf seinen "Schöpfer", der ihm den Wunsch nach einer Gefährtin (und damit einem weiteren "Monster") nicht erfüllen will.
Und wird erst dadurch zum tatsächlichen Monster.

Dies finde ich einen interessanten Ansatz innerhalb der Gothic novels, dass hier nicht von vornherein in Gut und Böse unterschieden wird, sondern erst die Umgebung jemanden zum "Monster" machen kann.
Und auch Victor erscheint als fragwürdiger "Schöpfer", da er mit Frankenstein, an dem er solange gearbeitet hat, nichts mehr zu tun haben möchte und ihn in seinem Leiden allein lässt.

Fazit:

Klassiker der englischen Literatur, der sich sprachlich an die Vorlage hält, wenn auch gekürzt. Wunderbar erzählt von Katharina Thalbach.


Freitag, 25. März 2016

Wünsche Euch allen

eine schöne, hoffentlich frühlingshafte, erholsame, ruhige und österliche Zeit.


(Torte entdeckt in einem völlig osterverrückten Laden in Maltas Hauptstadt Valetta)

Sonntag, 13. März 2016

REZENSION: Hüter der Erinnerung (Hörbuch)



Titel: Hüter der Erinnerung
Autor: Lois Lowry
Länge: 4 CDs, 274min. 
Sprecherin: Monica Bleibtreu






Kurzinhalt (Verlagstext):

Lois Lowrys vielfach ausgezeichneter Jugendbuchklassiker über die Gefahr absoluter Gleichförmigkeit und den hohen Wert der Individualität.

Jonas lebt in einer perfekten Welt ohne Krieg und Leid. Das komplette Leben ist vorbestimmt, jeder ist glücklich und zufrieden - auch Jonas …
Doch als er seine Ausbildung zum „Hüter der Erinnerung“ antritt, erkennt er, welch hohen Preis die Menschheit für diese uniforme Zufriedenheit zahlen muss. Jonas beschließt, das System zu verlassen, und begibt sich auf eine lebensgefährliche Flucht …



Meine Meinung:

Monica Bleibtreu liest dieses Hörbuch. Das hat mich zwischenzeitlich immer wieder irritiert. So sehr ich ihre Stimme auch schätze. Aber hier steht eigentlich der 12jährige Jonas im Mittelpunkt, später vielleicht noch "der Geber" - beides männliche Protagonisten.

Das ist sicher Geschmackssache.

Ihre teils gleichförmige Art zu lesen passt jedoch zur Gleichförmigkeit der Gesellschaft, die in einer fernen Zukunft als Ideal angesehen wird.

Es ist gruselig, wie sich nach und nach vor Jonas eine Vorstellung von der Menschheit aufbaut, wie sie früher gewesen sein muss. Mit Kriegen und Leid, aber eben auch individuellen Entscheidungen. Farben. Gefühlen.

Man denkt unglaublich viel über den Wert von Freiheit und Individualität nach, während Jonas all dies, was für uns "normal" ist, für sich erst entdeckt.

Da ich zuerst den Film gesehen hatte, bevor ich zum Hörbuch griff, fielen mir nun beim Hören auch einige Änderungen zur Vorlage auf.

So ist Jonas im Film sehr viel älter, so dass auch die erste Liebe eine Rolle spielt.

Dies kommt im (Hör)buch überhaupt nicht vor und das fand ich sehr viel angenehmer und glaubwürdiger, da so der Fokus auf dem Wesentlichen und damit dieser einen Figur bleibt (wobei ich in diesem Kontext wieder über Monika Bleibtreu als Sprecherin gestolpert bin, aber das nur am Rande).

Jonas wirkt mit seinen 12 Jahren dadurch auch noch sehr viel tapferer.

Aber auch andere, für mich zentrale Bereiche, wurden im Film einfach weggelassen, wie etwas die Tatsache, dass alle am selben Tag ein Jahr älter werden und ihrem Alter entsprechend das selbe geschenkt bekommen (etwa ein Hemd, das Taschen hat).

Zwar hat mir der Film geholfen, mir bestimmte Sachen besser vorstellen zu können, aber insgesamt fand ich die Buchvorlage (hier als Hörbuch) sehr viel besser.


Fazit:

Beängstigende Dystopie, die lange nachwirkt und zu der es leider nie einen Nachfolgeband gab.