Sonntag, 12. Juni 2016

REZENSION: Blueprint (Hörbuch)


Titel: Blueprint
Autorin: Charlotte Kerner
Länge: 3 CDs, 224min.
Sprecherinnen: Sisyy Höfferer, Eva Gosciejewicz


 Kurzinhalt:


Die hoch begabte Komponistin Iris Sellin ist unheilbar krank und kinderlos. Damit ihr Talent nicht mit ihr aus der Welt verschwindet, lässt sie sich klonen. Iris und ihre Tochter Siri sind damit eineiige Zwillinge und Mutter und Kind zugleich. Siri wächst in einer Beziehung auf, die es so zwischen zwei Menschen noch nie gegeben hat. Als Kopie, als Blueprint ihrer Mutter, lebt sie mit einem vorgelebten Leben und dem Auftrag, Iris und ihr Talent unsterblich zu machen.
Was aber bedeutet ein solches Leben für das Original und die Kopie? Beide sind Menschen aus Fleisch und Blut, aber wo verläuft die Grenze zwischen ihren Persönlichkeiten? Wer ist hier Ich und wer Du, wer frei und wer Sklave des anderen? Blueprint erzählt Siris Geschichte von ihrer Geburt bis zum Tod der Mutter, als Siri 22 ist. Jetzt erst und schreibend wird sie sich ihrer Besonderheit, ihres Klon-Seins bewusst; und wie Teile eines Puzzles fügen sich ihre Erinnerungen und Träume, ihre Gespräche und Gedanken zu einem neuen Bild ihrer selbst zusammen. Es ist ein schmerzhafter Prozess, aber nur so wird Siri eines Tages ICH sagen können.


Meine Meinung:

Ich habe "Blueprint" vor vielen Jahren gelesen und konnte mich erinnern, dass es mich damals schon fasziniert hat. Nun habe ich nochmal zu der Geschichte als Hörbuch gegriffen und diese noch einmal ganz neu für mich entdeckt.

Das Buch ist bereits 1999 erschienen, in einer Zeit, in der das Klonen von Menschen noch Utopie war.
Inzwischen haben sich einige Werke und Filme mit dem Thema beschäftigt, ich denke da etwa an BETA oder Die Insel.

Ihnen allen war gleich, dass sie den Klonen ursprünglich eine spezielle Existenzberechtigung zugeschrieben haben, wie etwas das "Dienen" in BETA oder als "menschliches Ersatzteillager" in Die Insel.

Siri (rückwärts gelesen: Iris) soll das Leben ihrer kranken Mutter weiterführen, wird zur Starpianistin erzogen, ohne eigenen Willen.

Dass dies nicht möglich ist und dass jedes Leben auch andere Wege gehen kann, zeigt das Buch eindringlich.

Es ist dabei chronologisch aufgebaut, von der "Zeugung" Siris bis zum Tod ihrer Mutter - und in Abschnitte unterteilt, die zeigen, wie ein Leben von der Kindheit über Jugend bis zum Erwachsensein ohnehin Entwicklungsschritte durchläuft, welche durch die Existenz als Klon noch sehr viel stärker verkompliziert werden.

Diese Entwicklung zeigt Charlotte Kerner eindringlich, differenziert und sprachgewaltig. Unterstützt wird dies im Hörbuch noch durch zwei verschiedene Sprecherinnen, wobei die Sprecherin der Siri in "Ich-Form" erzählt (so dass man dieser als Hörerin sehr viel näher ist, zumal sie meistens ihrer Mutter direkt anspricht, wie in einem  Brief), die zweite Sprecherin zwar Iris meint, aber immer in der "Sie-Form".

Man leidet mit Siri, man versteht ihren Wunsch nach Individualität und Loslösen und begreift gleichzeitig die Schwierigkeiten, die sich darin auftun, wenn die Mutter zugleich die Zwillingsschwester ist. Für alle Beteiligten.


Fazit:

Großartiges Buch über das Erwachsenwerden und das Gehen eigener Wege - mit zusätzlichem Nachdenken über das Klonen und das Recht am eigenen Sein. Selten sind die Gefahren des Klonens so zuende gedacht worden.




Freitag, 10. Juni 2016

REZENSION: Die Entführten - Im Sog der Zeiten 1 (Hörbuch)



Titel: Die Entführten - Im Sog der Zeiten  Teil 1
Autorin: Margaret Peterson Haddix
Länge: 4 CDs, 277min.
Sprecher: Hans Löw


Kurzinhalt:

"Du bist einer der Verschollenen. Vorsicht! Sie kommen zurück, um dich zu holen."

Jonas ist 13 und wurde adoptiert. Für ihn war das nie etwas Besonderes, bis er diese mysteriösen Nachrichten erhält. Zusammen mit seiner Schwester Katherine und seinem Freund Chip geht er den Botschaften nach und stößt auf eine vertuschte Flugzeugentführung und ein unvorstellbares Komplott: Zeitreisende aus der Zukunft handeln mit berühmten Kindern der Geschichte.
Und Jonas ist eines von ihnen! Die Freunde wollen die Zeitreisenden stellen und geraten in den Sog der Zeiten.

Meine Meinung:

Am Anfang lässt sich die Geschichte Zeit, man lernt Jonas kennen und seine Eltern lieben, die so wunderbar mit dem Thema "Adoption" umgehen.

Als die ersten Nachrichten auftauchen rücken zwei weitere Kinder in den Mittelpunkt: Bens "Schwester" Katherine und sein Freund Chip.
Die drei beginnen in "Drei-Fragezeichen-Manier" zu ermitteln, wobei der Spannungsbogen ein flacherer ist.
Man merkt halt schnell, dass das Buch eher Kinder und Jugendliche zur Zielgruppe hat.

Wobei damit auch ein wenig kokettiert wird, denn eine Erwachsene erklärt den drei Kindern gleich zu Anfang ihrer "Ermittlungen", warum sie sich als "Ermittler" ziemlich auffällig machen und worauf sie lieber achten sollten, wenn sie unentdeckt bleiben wollen.

Dennoch war ich eine zeitlang mitgerissen, da sich auch fantastische Elemente in die Geschichte einschleichen. Etwa Menschen, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen bzw. wieder verschwinden.

Doch konnte mich der Fortgang des Hörbuches so gar nicht überzeugen. Speziell das letzte Drittel verläuft im Vergleich zum angenehmen detailfreudigen Anfang des Buches so hektisch und das Ende lässt so vieles offen, dass es nur als Cliffhanger zum Nachfolger dienen kann. Was mir jedoch nachher echt die Lust an der Story verleidet hat.
 
Was soll so eine Geschichte, die mittendrin abreißt und mich letztlich nur dazu zwingt den Nachfolgeband zu kaufen? Ich weiß nicht, wie es Euch damit geht, aber ich fühle mich mit soetwas grundsätzlich ziemlich veralbert.

Fazit:

Um es mit drei Stichpunkten zu sagen: Schöner Anfang, interessanter Plott, blödes Ende.
Und dadurch schwer fair zu bewerten.
Aber ich gebe noch:


Mittwoch, 1. Juni 2016

REZENSION: Noah (Hörbuch)

Titel: Noah
Autor: Sebastian Fitzek

Länge: 6 CDs, 433 Minuten

Sprecher: Simon Jäger



Kurzinhalt:

Er kennt seinen Namen nicht. Er hat keine Ahnung, woher er kommt. Er kann sich nicht erinnern, warum er in Berlin ist, seit wann er hier auf der Straße lebt. Die Obdachlosen, mit denen er umherzieht, nennen ihn Noah: Dieser Name ist in seinen rechten Handballen tätowiert.

Für Noah wird die Suche nach seiner Identität zu einem Alptraum. Denn wie es scheint, ist er das wesentliche Schlüsselelement einer globalenVerschwörung, die bereits zehntausende Opfer gefordert hat und nun die gesamte Menschheit bedroht ...


Meine Meinung:

Das Buch fängt eigentlich gut. Noah lebt auf der Straße, hat sein Gedächtnis verloren und tingelt mit dem Obdachlosen Oskar, der sich seiner angenommen hat, durch die Straßen Berlins.

Noah weiß nicht einmal mehr seinen richtigen Namen, doch da "Noah" auf seiner Hand tätowiert steht, nennt Oskar ihn so.

Als er durch Zufall den Aufruf in einer Zeitung entdeckt, in dem man den Urheber eines Bildes sucht, glaubt er, der Maler zu sein. Er ruft bei der Zeitung an und spricht aufeinmal fließendes Englisch.

Ein weiterer Strang wird aufgemacht mit der Journalistin Celine, die seinen Anruf entgegen nimmt.

Ab sofort wechseln die Schauplätze zwischen Berlin und New York.

Denn Noah hat mit seinem Anruf eine Lawine ins Rollen gebracht. Plötzlich werden sowohl Oskar und Noah verfolgt, beschossen, durch immer andere Anrufer bedroht. Auch Celine wird eingesperrt.
Und erste Logikfehler und Unwahrscheinlichkeiten schleichen sich leider in die Geschichte ein (aber bei Fitzeks Büchern darf man nie so genau nachdenken).

Und irgendwann verliert man den Faden. Und das liegt nicht nur an Noahs Begleiter Oskar mit all seinen wirren Verschwörungstheorien, die auch vor dem geneigten Hörer ausgebreitet werden.


Später kommt noch ein Medikamentenhersteller dazu, dann ein schwer kranker Patient. Weltweit bricht eine Pandemie aus.

Und spätestens hier musste ich das Hörbuch nochmal von vorne beginnen, weil ich die Fäden alle nicht mehr zusammen bekommen habe. Das war ein Zuviel an allem.

Und das betrifft leider die ganze restliche Geschichte bis zur Auflösung. Ich hatte das Gefühl, dass selbst Fitzek nicht mehr durchgestiegen ist, denn einige Dinge, die im Buch passieren werden nie aufklärt bzw. bleiben mir zu schwammig.

Simon Jäger liest wie immer großartig, dennoch verliert Noah trotz des guten Anfangs aufgrund der viel zu vielen Komponenten leider an Spannung.

Fazit:

Hier hat der Autor zuviel gewollt. Interessante Grundidee, aber weniger wäre mehr gewesen.


Weitere von mir rezensierte Bücher / Hörbücher von Sebastian Fitzek:

Fitzek, Sebastian / Tsokos, Michael: Abgeschnitten (Hörbuch)
Fitzek, Sebastian: Der Augensammler
Fitzek, Sebastian: Passagier 23 (Hörbuch)



Sonntag, 29. Mai 2016

REZENSION: Endlich angekommen



Titel:        Endlich angekommen
Autorin:      Chira Brecht
Seiten:        320
Verlag:        Krug & Schadenberg


Kurzinhalt (Verlagstext):

Auf einem Medizinkongress trifft Dr. Verena Gessner, Unfallchirurgin an einer Münchner Klinik, ihre frühere Studienkollegin Mona Grafenbach wieder. Mona war damals schon in Verena verliebt, wie sie ihr bei dieser Gelegenheit erzählt. Verena, seit Jahren verheiratet, ist verunsichert. Mona geht ihr nicht aus dem Sinn. Als sich die Gelegenheit bietet, Mona beruflich in Berlin zu treffen, fiebert Verena der neuerlichen Begegnung entgegen. Doch stattdessen gerät sie an die Kollegin Anna Conrad. Anna macht Verena deutliche Avancen und begleitet sie schließlich auf ihr Hotelzimmer. Am nächsten Morgen folgt ein böses Erwachen: K.O.-Tropfen haben Verena ausgeknockt. Sie wurde vergewaltigt. Völlig verstört verlässt sie das Hotel und verursacht einen schweren Verkehrsunfall.

Im Laufe der nächsten Wochen erholt sich Verena von den Unfallfolgen, doch das traumatische Erlebnis mit Anna Conrad blendet sie strikt aus. Erst als sie begreift, dass sie sich dem Erlebten stellen muss, gewinnt Verena ihre Tatkraft zurück und kann ihr Leben wieder in die Hand nehmen. Neue Perspektiven eröffnen sich – beruflich wie privat.


Meine Meinung:

„Endlich angekommen“ klingt nach einer langen Reise, nach einem Weg, den man hinter sich bringen muss, um „endlich anzukommen“ an dem Ort, an dem man eigentlich sein möchte.

Und tatsächlich steht von Beginn des Buches an die unterdrückte Homosexualität von Verena im Mittelpunkt, die einen Medizinkongress fernab ihrer Familie nutzt, um endlich das auszuleben, was sie so lange innerlich verleugnet hat.

Also die x-te Coming out- Geschichte? Das so häufige Erkennen, dass der Mann zuhause nicht der richtige Abzweig auf oben erwähntem Weg war und Frauen eben doch das schönere Geschlecht sind?

Die Frau auf dem Cover scheint jedoch den Weg noch zu gehen. Auffällig ist, dass sie im Schatten läuft, der LeserIn den Rücken dabei zudreht, sich von ihr abwendet.

Als würde sie weglaufen, als wollte sie nicht erkannt werden.

Denn Verena erlebt das homoerotische Abenteuer mit einer Frau, die sie körperlich anzieht. Und dann vergewaltigt.

Ist so etwas möglich? Ist es! Es war einer der prägendsten Sätze des Buches, der mir noch tagelang im Kopf herumschwirrte, mich betroffen und nachdenklich machte:

„Okay, Süße. Wir haben es auf deine Art getrieben, nun machen wir es auf meine.“



Dieser eine Satz lässt die ganze vorherige Atmosphäre des scheinbar sinnlichen Miteinanders und des Einverständnisses zwischen zwei Frauen so unerwartet umschlagen in tatsächliche Hilflosigkeit und ein Ausgeliefertsein, dass man sich selbst als Leserin plötzlich unter falschen Tatsachen in das Hotelzimmer gelockt fühlt.

Hier geht es um kein erotisches Lesevergnügen, um ein neuartiges Haut-an-Haut und das folgende Coming out einer Frau.


Es ist der Autorin hoch anzurechnen, dem Thema sexuelle Gewalt durch Frauen in ihrem Buch eine derartige Realität zu geben. Doch wenn man glaubt, dass damit ein wichtiges Sujet literarisch abgehakt wurde, der irrt.

Denn der eigentliche Verdienst Chira Brechts besteht darin, das Opfer, Verena, danach verstummen und damit im Schatten des Covers verschwinden zu lassen.
Verena möchte einfach nur vergessen und sucht, wie so viele vor ihr, die ähnliches erlebt haben, die Schuld bei sich selbst.

Dabei rückt auch die Tatsache, dass es sich um eine Vergewaltigung durch eine Frau handelt, in den Mittelpunkt und was dies in der öffentlichen Wahrnehmung bedeuten würde.
Es scheint, als würde die Unmöglichkeit der Gewaltanwendung durch Frauen zu einer Unmöglichkeit führen, gegen diese vorzugehen.

So besteht Verenas Weg für viele Seiten des Buches „nur noch“ darin, ihr eigentliches Leben wieder aufzunehmen und sich gegen gut meinende Menschen zu wehren, die sich irgendwann nur noch hilflos fühlen.

Dass ein schweigendes Weitergehen jedoch nicht so einfach möglich ist, zeigt die Autorin sehr eindringlich und mehr als einmal möchte man die Protagonistin abwechselnd schütteln, um sie dann wieder tröstend in den Arm zu nehmen.


Fazit:

Auch wenn die Täterin für mich im Rest des Buches zu sehr in den Hintergrund rückt und die eigentliche „Ankunft“ Verenas nachher eine sehr plötzliche ist, handelt es sich bei  „Endlich angekommen“ um einen sehr wichtigen Beitrag bezüglich einer noch weitgehend verschwiegenen Thematik.


Freitag, 27. Mai 2016

REZENSION: Expedition in die geheime Welt der Drachen (Hörspiel)


Titel: Expedition in die geheime Welt der Drachen
Autor: Ernest Drake, Volker Präkelt
Länge: 1 CD, 75 Minuten
Sprecher: Ben Hecker, Stefan Kaminski, Robert Missler, Christine Pappert



Kurzinhalt:

„Sprich nie über Drachen mit Leuten, die nicht an sie glauben. Achte und liebe alle Tiere. Eines Tages wird die Welt vielleicht die ehrwürdige Wissenschaft der Drachologie schätzen.”

Bis der junge Student Howard Greenstreak diese Zeilen unterschreibt und damit in die geheime Gesellschaft der Drachenforscher aufgenommen wird, muss er eine schwierige Prüfung überleben: die Feier des chinesische Neujahrsfestes im Kreis der Drachenforscher.

In einem einsamen Landhaus in Wales wird er mit den absurdesten Ritualen der Zähmung und Haltung dieser so rätselhaften und unberechenbaren aber treuen und schlauen Tiere bekanntgemacht. Er lernt bald, dass in wirklich gefährlichen Situationen nur noch die Rätsel oder Lieder der schönen Nichte des Hausherrn helfen, denn natürlich verstehen Drachen die menschliche Sprache. Bis zum heldenhaften Schluss, schwankt Howard, eigentlich ein Angsthase, zwischen Schaudern und Bewunderung dieser großen Wesen.

Das liebevoll und aufwändig gestaltete Hörspiel – mit treffenden Sprecherstimmen, geschickt eingesetzter Musik, spannenden Dialogen und viel markanten Hintergrundgeräuschen – entführt in die skurrile Welt Englands im 19. Jahrhundert, wie sie aus einschlägigen Detektivromanen bekannt ist.

Meine Meinung:

Ich konnte mich erinnern, das Hörspiel schon vor Jahren gehört und es in ganz guter Erinnerung gehabt zu haben.

Nun wurde ich mal wieder Zeugin des Phänomens, dass ein Re-Read (bzw. in dem Fall ein Re-Listen) oft enttäuschend sein kann.

Denn ich fragte mich beim erneuten Hören ernsthaft, was mich daran damals so begeistert hatte.

Hervorzuheben sind auf jeden Fall die unglaublich guten Sprecher, die man in dieser Konstellation sicher selten hat. Die holen wirklich alles aus den Figuren heraus und sind mit schaupielerischem Können und Engagement voll und ganz in der Geschichte.

Die jedoch in ihrer Gesamtheit eigentlich nichts hergibt, außer eben dieses Zusammentreffen von lauter "Drachologen", die sich über ihr liebstes Forschungsobjekt unterhalten. Insofern gibt obiger Kurzinhalt sehr viel mehr an, als nachher tatsächlich drin ist.

Ich war sehr enttäuscht.

Das Problem ist sicher, dass sich das Hörbuch auf ein Buch bezieht, dasss eher ein (sehr aufwändig gestaltetes) Lexikon für Kinder und begeisterte "Drachologen" ist.
Eben über Drachen.

Und dass daraus eine Geschichte gewebt worden ist, in denen Drachenforscher, die genauso von ihrem Sujet begeistert sind, eine tragende Rolle spielen.

Man merkt dem Hörbuch stark an, dass es vor allem für Kinder konzipiert ist. Wenn die Drachenforscher dann auch noch singen, bin ich weg.
Da bekomme ich schon bei Disney-Filmen eine Krise.

Fazit:

Wahnsinnig tolle Sprecher, leider völlig lasche Story.




Mittwoch, 25. Mai 2016

REZENSION: Der Exorzist (Hörbuch)


Titel: Der Exorzist
Autor: William Peter Blatty
Länge: 6 CDs, 420 Minuten
Sprecher: Joachim Kerzl


Kurzinhalt (Verlagstext):

Die Schauspielerin Chris Macneil ist zunächst verwundert, als ihre kleine Tochter Regan von ihrem imaginären Freund spricht, den sie Captain Howdy nennt. Doch dann beginnt Regan, sich zu verändern; und wenig später ist sie eine gequälte, dämonische Kreatur. Etwas hat von ihr Besitz ergriffen ...
Die Jesuiten Damien Karras und Joseph Dyer wollen ihre Seele vor dem ultimativen Bösen retten oder ist es dafür schon zu spät?
Ein dunkles Panoptikum von Angst und Gewalt - großartig interpretiertvon dem Kult-Sprecher Joachim Kerzel.


Meine Meinung:

"Der Exorzist" kannte ich nur aus Filmausschnitten, in denen ein ziemlich blasses Mädchen mit ziemlich verdrehtem Kopf (im wahrsten Sinne des Wortes) in seinem Nachthemd über seinem Bett schwebte und dabei ziemlich fluchte.

Ich hätte also gewarnt sein sollen. Was die Flüche angeht.

Aber die Neugier siegte, als mir das Hörbuch in die Hände fiel. Statt dem Film, wollte ich lieber die Geschichte mal aus erster Hand hören.

Wobei das mit dem "HÖREN" schon der Fehler war.

Ich spreche jedem, der das Gleiche vor hat, schonmal die ausdrückliche Warnung aus, dies nicht im Auto und schon gar nicht bei heruntergelassenem Fenster zu tun.

Wenn man das nämlich so unbedarft tut, wie ich, dann kann es durchaus passieren, dass man an der Ampel wartet und unschuldige Fußgänger einen aufeinmal völlig entsetzt anschauen, weil aus besagtem Auto mit Grabesstimme die obzönsten Flüche und Aufforderungen zum Sex schallen.

Das Hörbuch ist voll davon! Und das hat mich irgendwann unglaublich genervt.

Nicht nur, weil ich wochenlang mit geschlossenem Fenster Auto fahren musste, sondern auch, weil ich es irgendwann einfach nur ziemlich überflüssig und effektheischend fand.

Ich habe verstanden, dass dieses Kind von einem Dämon besessen ist. Aber warum muss es dann permanent (!) so obzönes Zeug von sich geben, was im Hörbuch noch zusätzlich durch eine computerveränderte Stimme untermalt wird?

Keine Ahnung, ob der Autor sich dachte: "Sex sells" - und bei Besessenheit darf ich alles mal schreiben, was sonst keiner wagen dürfte (das Buch ist immerhin 1971 erschienen!).
Gerade auch, wenn man noch antikirchliche Tiraden mit reinbringen kann, ja sogar verbinden kann.

Mich hat es irgendwann nur angewidert.

Das das Buch "Der Exorzist" heißt, bin ich davon ausgegangen, dass das Thema "Exorzismus" hier viel stärker im Vordergrund steht. Man kennt Berichte aus der Vergangenheit, in der Menschen durch vermeintliche "Austreiber" regelrecht gefoltert bzw. zu Tode gekommen sind. Dieser Aspekt hat mich stark interssiert, findet hier aber keine kritische Betrachtung.

Hätte ich das Buch gelesen, hätte ich es sicher nicht beendet, zumal sich das Ganze unglaublich zieht. Da werden zunächst die wildesten Theorien ausgebreitet, was mit dem Mädchen sein könnte und pdeusowissenschaftlich belegt. Und zum Teil so kompliziert, dass ich nicht mehr folgen konnte.
Über Stunden.

Joachim Kerzl liest gut und die zwischendurch dezent eingespielten Soundeffekte waren durchaus in der richtigen Dosis und hatten einen gewissen Gruselfaktor.
Aber inhaltlich hat mich die Geschichte nicht mitgerissen.

Fazit: 

Ich habe den Film nie gesehen und habe deswegen da vielleicht einen anderen Blickwinkel.
Sorry, wenn ich hier einen "Klassiker" zerlege, der für einige Kult ist. Aber für mich war das nix.






Montag, 23. Mai 2016

REZENSION: Zwetschgendatschikomplott (Hörbuch)

Titel: Zwetschgendatschikomplott
Autorin: Rita Falk
Länge: 6 CDs, 464 Minuten
Sprecher: Christian Tramitz


Kurzinhalt (Verlagstext):  

Der Rudi zieht um – und zwar ins Münchner Schlachthofviertel. Vom Balkon aus beobachtet er die Krähen, die über den Fabrikdächern kreisen. Dahinter schönstes Alpenpanorama.
Doch mit der Ruhe ist’s schon wieder vorbei, als ihm eine der Krähen einen abgetrennten Frauenfinger zu Füßen legt. Wie sich herausstellt, gehörte der Finger einer Prostituierten, die mit einer mysteriösen Waffe erstochen wurde.
Und so ermitteln Rudi und Franz im Münchner Rotlichtviertel – aber erst Franzls Liebschaft mit einer Ex-Prostituierten bringt sie auf die richtige Spur. Und die führt direkt auf die Wiesn. Der sechste Fall für Franz Eberhofer: wie immer a Mordsgaudi!


Meine Meinung:

Das Cover mit dem Dirndl deutet es schon, diesmal spielt das Oktoberfest in München eine zentrale Rolle beim neuen Fall von Franz Eberhofer.

Was (leider) auch zeigt, dass er weiterhin in München ermittelt und die so lieb gewonnene Provinz mit ihren herrlich schrulligen Figuren wie schon im Vorgängerband stark in den Hintergrund rückt.

Dagegen kommen sich Eberhofer und sein ehemaliger Partner Birkenberger beruflich wieder näher, denn sie ermitteln gemeinsam. Wobei es hier wieder mal zu einigen (oft sehr gekünstelt wirkenden) Auseinandersetzungen zwischen den beiden Männern mit all ihren persönlichen Befindlichkeiten kommt.

Es gibt auch keine Wies'n-Astmopshäre, da diese nur als Schauplatz Erwähnung findet, sonst aber als Ereignis keine Rolle spielt oder wirklich dargestellt wird.

Das Rotlichtmilieu, um das es hier eigentlich geht, wirkt wenig überzeugend und von den Figuren her sehr unrealistisch. (Ich will zwar nicht behaupten, dass ich Ahnung vom Rotlichtmilieu habe, aber (ACHTUNG, SPOILER) eine Prostituierte, die sich ständig privat mit einem Polizisten trifft??)

Niederkaltenkirchen spielt diesmal nur insofern eine Rolle, als dass dort ein Hotel gebaut werden soll und die Dorfgemeinschaft einiges dagegen hat.
Dies wirkt aber eher sehr aufgesetzt und mehr als literarischer Kniff, um das dortige Figurenensemble überhaupt noch thematisch ins Buch zu bringen.

Das ist schade. Zumal ich die Stimme von Christian Tramitz (vor allem als Oma) bei diesen Hörbüchern wirklich liebe und ihm gern zuhöre. Aber selbst er konnte aus dieser Geschichte nichts mehr rausreißen.




Fazit:

Ich lege jetzt erstmal eine Eberhoferpause ein. So richtig konnte mich die Geschichte nicht mehr begeistern.



Die Franz-Eberhofer-Reihe bisher:
1) Winterkartoffelknödel
2) Dampfnudelblues
3) Schweinskopf al dente
4) Grießnockerlaffäre
5) Sauerkrautkoma
6) Zwetschgendatschikomplott