Sonntag, 7. Februar 2021

Lockdownlesen #14 - Sonntag, 7. Februar 2021

9.00 Uhr: Guten Morgen, an diesem verschneiten Sonntag. Der diesjährige Winter hat ja etwas aus meiner frühen Kindheit. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann wir das letzte Mal so viel Schnee in der Hauptstadt hatten, der auch noch liegen geblieben ist.

Wie geht es Dir aktuell, wie war die letzte Woche für Dich?

Ganz ehrlich: Seit dieser Woche geht es mir extrem mies. Obwohl ich - oder gerade weil - ich Urlaub hatte. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass irgendwie sämtliche Konstanten der Woche aufeinmal komplett wegbrachen. 

Oder ich ständig daran denken musste, wie ich genau diesen Urlaub im letzten Jahr verbracht habe: zwar auch in Berlin, aber im Katzencafé zwischen lauter Stubentigern; nachts im Medizinhistorischen Museum der Charité, bis uns der Angestellte rauswarf, weil er endlich Feierabend machen wollte; in feucht-fröhlicher Abi-Mädelsrunde in einer Kiezkneipe in Mitte, mit denen ich in Erinnerungen an unsere gemeinsame Schulzeit schwelgte oder in (!) einem Brandenburger See, in dem ich badete (eine Freundin hatte mir einen Hoteltag mit Therme geschenkt und ich machte die Angestellten völlig panisch, weil ich tatsächlich nach der Sauna als einzige in den winterlichen See stieg und sie schon fürcheten, mich da rausholen zu müssen). Alles Dinge, die unglaublich weit weg scheinen.

Dieselbe Freundin schreibt mir nun: Kochen oder backen? Bei mir oder bei Dir? So lieb, wie das ist, ich mag nicht mehr kochen oder backen. Ich möchte mal wieder ins Kino, ins Theater, zum Sport, in die Sauna, möchte schwimmen, Schlittschuhlaufen, bouldern, tanzen und Menschen in den Arm nehmen. Ich möchte Freunde zu Spieleabenden und zum Raclette einladen. Möchte mich auf die Berlinale und die Buchmesse freuen. Reisen. Wieder mehr sehen. Menschen kennenlernen. Mich austauschen.

Ich habe ein echtes Tief. Momentan geht mir alles auf die Nerven. Und gleichzeitig sind mir Menschen eigentlich zuviel. Wenn ich spazieren gehe und andere auf dem selben Weg unterwegs sind, ist mir das schon zu voll. Das macht mir auch Sorgen. Dass man Menschen eigentlich gar nicht mehr gewöhnt ist.

 
Was hat Dir in der Woche durch den Lockdown gefehlt, was hast Du stattdessen unternommen oder gemacht?

Tja, siehe oben. Ich habe viel geschlafen, gelesen (meiner Stimmung entsprechend düstere Skandinavien-Thriller und martialische Wikinger-Romane) und mein Intervallfasten weiter durchgezogen. Zumindest das funktioniert ganz gut. Ich habe mittlerweile Tage, an denen ich 18h nichts esse. Was wohl auch daran liegt, dass ich einfach kaum Appetit habe. Insofern ist es auch nichts so, dass ich in den Stunden, in denen ich essen dürfte, das wirklich großartig kompensiere. Abnehmen tue ich allerdings auch nicht wirklich. Ich rede mir mal ein, dass meine mittlerweile langen Haare so viel mehr wiegen. *lach*

Allerdings wirkt sich das Fasten momentan scheinbar auch auf meinen Sport aus. Mir fehlt für längere Einheiten die Energie, was sich wahrscheinlich auch nicht gerade positiv auf meine Stimmung ausgewirkt hat. Es ist mir wirklich ein Rätsel, wie Susanne Fröhlich, die ebenfalls Joggerin ist, mit ihrem kompletten Heilfasten über Wochen (also nur Flüssignahrung) noch weiter ihre 10km hingelegt hat.


Gibt es etwas, wobei man Dich mental unterstützen kann oder worüber Du Dich besonders austauschen möchtest oder Dir Unterstützung wünschst? Macht Euch etwas Sorgen?

Ich habe in der letzten Woche ein langes Interview mit einer Virologin gelesen, die deutlich gemacht, wie sinnlos diese 50er Zahl ist, auf die die Politik immer pocht, um Lockerungen durchzuführen. Sie selbst durfte nur 3 Minuten (!) vor der Kanzlerin sprechen. 3 Minuten! Dabei hat sie sehr viel mehr zu sagen. Dieses Interview hat mich absolut überzeugt und deutlich gemacht, wie planlos unsere Regierung in dieser Pandemie eigentlich ist. Und dass sie die Wissenschaftler eigentlich ignoriert. Bei TWITTER hatte jemand so treffend bemerkt, dass jeder Katastrophenfilm damit beginnt, dass die Mächtigen die Warnungen der Wissenschaftler ignorieren. Er hat so recht!

Faktisch werden Lockerungen bei einer Inzidenz von 50 uns unweigerlich in den nächsten Lockdown führen. Siehe Irland. Ich bin mittlerweile absolute Verfechterin der #NoCovid-Strategie. Dieses hier ein bisschen und da ein bisschen bringt uns gar nichts.

Letzte Woche musste ich zweimal mit den Öffentlichen fahren, weil mein Auto in der Werkstatt war. Und ich hatte wirklich Angst. Jeder, der das jeden Tag machen muss, ist permanent Viren ausgesetzt. Schon in "normalen" Zeiten. Ist ja schön, wenn jetzt alle medizinische Masken tragen sollen. Aber selbst nach einem Jahr Pandemie wissen einige immer noch nicht, WIE man diese RICHTIG trägt. Und wenn ich in der U-Bahn stehe und mir eine Frau trotz Maske die ganze Zeit in den Rücken hustet - sorry, da wundert mich echt nichts mehr.

Welches Buch oder Hörbuch hat Dich in der letzten Woche besonders gut abgelenkt oder was hast Du Dir sonst Gutes gegönnt? 

Meiner "Letzte-Seiten-Challenge" zum Trotz habe ich in der letzten Woche neue Hörbücher und Bücher begonnen, die eher meiner aktuellen Stimmung entsprechen. Wobei ich es interessant fand, bei meiner Literatursuche vermehrt auf Künstler zu treffen, die dass Corona-Thema bereits verarbeitet haben. 

Susanne Fröhlich hatte ich Euch ja bereits mit ihren Corona-Tagebüchern vorgestellt (Fröhlich mit Abstand - LINK zu AMAZON).

Letzte Woche habe ich mit dem humoristischen Rückblick (sofern möglich) von Michael Mittermeier begonnen: Ich glaube, ich hatte es schon - Die Corona-Chroniken (LINK zu AMAZON). 

Wobei der meiner Ansicht nach etwas viel Alkohol in der Zeit konsumiert hat. Das gibt er auch umunwunden zu. Aber man erkennt trotzdem einiges aus dem ersten Lockdown wieder. Und kann manchmal sogar schmunzeln.

Sonst bin ich, wie schon erwähnt, eher wieder im dunklen Norden unterwegs, der für mich aber nicht wirklich dunkel ist. Mit Norwegen verbinde ich wundervolle Urlaubs-Bilder und lese gern mit meinen Wikinger-Büchern über die Geschichte des Landes. Hier habe ich nun die Uthred-Saga von Bernard Cornwell (LINK zu AMAZON) begonnen. Hat 12 Bände. Bin ich eine Weile beschäftigt.

Und lese zusätzlich mal wieder einen Island-Thriller von der mir sehr geschätzten Yrsa Sigurdardottir

Achja, und ich habe mir die Game of Thrones-Bücher gegönnt, während ich weiter in der Serie bei SKY schwelge.

 
Gab es etwas, was Du vielleicht durch den Lockdown gerade Neues ausprobiert hast? 

Bis März hat Berlin eine Germanen-Ausstellung, auf die ich mich unglaublich gefreut habe. Mein Traum war ein "realer" Besuch, händchenhaltend mit der Herzensfrau. Gemacht habe ich stattdessen nun eine einsame virtuelle Führung am heimischen PC im Schlafanzug. Auch wenn ich dankbar für diese Möglichkeiten bin, fehlt mir der sensorische Eindruck. Der WOW-Effekt, wenn man wirklich vor einem Original-Exponat steht. Ich bin Historikerin, ich brauche die "Begegnung" mit der Geschichte. Das kann das Internet nicht ersetzen. Auch wenn ich dem Deutschen Historischen Museum sehr dankbar für die tolle und sehr fundierte Führung bin.

Was kannst Du anderen noch empfehlen (vielleicht einen Anbieter, der kostenlose Sportvideos anbietet? etc.) 

Unterstützt alle, die sich selbst nicht mehr unterstützen können. Und wenn Ihr jemanden kennt, der gerade ähnlich herumgrummelt, wie ich, nehmt ihn vielleicht mal in den Arm. Ganz Corona-konform natürlich. Ich hätte gerade gern jemanden, der das tun würde. 

Freiwillige?

😔

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Meine bisherigen Post zum Lockdown-Lesen:

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18.30 Uhr: Was für ein unglaublich schöner, verschneiter Tag! Und danke an Natira, die mich über TWITTER mal zum Rausgehen bewegt hat, indem sie ihre Schneefotos postete. Das mache ich hier nun auch. Ich habe sogar einen Nachbarn gefunden, der seine Weihnachtsbleuchtung noch einmal angeschmissen hat. *lach*

Entsprechend hat es mich heute auch noch einmal gepackt und ich habe an meinem letzten Urlaubstag Früchtebrot gebacken, bevor es wieder an die Arbeitsvorbereitung für die nächste Woche ging. In gewisser Weise bin ich froh, wieder etwas Struktur zu bekommen, auch wenn ich momentan gern in meiner martialischen Wikinger-Literatur blättere.

In diesem Sinne, wir lesen uns!



Kommentare:

  1. Tut mir leid, dass dir die Decke gerade auf den Kopf fällt. Wenn du so über Museumsbesuche sprichst, werde ich auch ein bisschen wehmütig. Ich war ewig auf keiner Ausstellung, auch vor Corona schon einige Zeit nicht. Ich würde auch so gern ein paar Orte besuchen, in denen Vorfahren von mir gelebt haben, da muss ich mich auch noch gedulden. Du bist Historikerin? Das ist ja cool, ich bin doch ein totaler Geschichtsfreak. Hast du ein Spezialgebiet?

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    1. @ Nettebuecherkiste

      Ich bin Mediavistin und habe zudem am Institut für Antimsitismusforschung studiert und dort meinen Abschluss gemacht. Momentan verfolge ich insofern auch sehr interessiert Deine Ahnenforschung und was Du da alles so entdeckst. :o))

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  2. Deine Herzensfrau hat immer eine Umarmung für Dich.

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    1. @ Kugelmensch

      https://www.youtube.com/watch?v=_4j0WrwzSps

      I want somebody to share
      Share the rest of my life
      Share my innermost thoughts
      Know my intimate details
      Someone who'll stand by my side
      And give me support
      And in return
      She'll get my support
      She will listen to me
      When I want to speak
      About the world we live in
      And life in general
      Though my views may be wrong
      They may even be perverted
      She'll hear me out
      And won't easily be converted
      To my way of thinking
      In fact, she'll often disagree
      But at the end of it all
      She will understand me
      Ahhhh,
      I want somebody who cares
      For me passionately
      With every thought
      And with every breath
      Someone who'll help me see things
      In a different light
      All the things I detest
      I will almost like
      I don't want to be tied
      To anyone's strings
      I'm carefully trying to stay clear
      Of those things
      But when I'm asleep
      I want somebody
      Who will put their arms around me
      And kiss me tenderly

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    2. No more and no less. Half a life is already lost.

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  3. Ich kann dich sehr gut verstehen! Mir fehlen auch Reisen und Kulturangebote so sehr. Zwar haben bei uns jetzt Museen wieder offen, aber mit noch immer viel zu hohen Zahlen und jetzt auch noch völligem Chaos wegen zahlreichen Fällen der Südafrika-Mutation in Tirol weiß ich nicht recht, ob ich nicht lieber im persönlichen Lockdown bleibe.
    Aber inzwischen zieht sich das alles einfach schon sehr lange. Hoffentlich wird es für uns alle wieder einfacher, wenn zumindest mal der Frühling kommt und man wieder mehr Aktivitäten nach draußen verlegen kann.

    Schön, dass du noch rausgegangen bist und den Schnee genossen hast! Und ich hoffe, dass es dir trotz der aktuellen Situation bald wieder besser geht.

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